Nieder mit den Canapés!
Ich gestehe es freimütig: Ich liebe Schnittchen. Aber nicht diese luxuriösen Exemplare, die bei Premierenfeiern und anderen vergleichbaren repräsentativen Empfängen herumgereicht werden. Ich meine Schnittchen in Reinkultur. Da, wo ich herkomme, nennt man sie Bütterken. Am liebsten mag ich die mit Gouda. Über ein echtes Käse-Bütterken, wie ich es allmorgens auch für meine Liebsten schmiere, geht gar nichts. Es wärmt den Magen und das Herz. Es ist Balsam für die Seele.
Was das mit Oper zu tun hat? Oh, mehr, als man denken sollte.
Denn das Bütterken (berlinerisch: die Stulle) hat ja auch eine Geschichte. Sozusagen eine Kulturgeschichte des Verdrückens kleinteiliger Nahrung. Ich weiß ja nicht, was früher, als Oper noch ein rein feudales Vergnügen war, serviert wurde. Schnittchen waren es bestimmt nicht. Eher schon diese mit Lachs, Meerrettich und anderen perversen Dingen aufgetürmten Canapés. Als ich das Wort vor 25 Jahren zum ersten Mal hörte, dachte ich noch: Komisch, wie kann man etwas essen, auf dem man doch eigentlich gemütlich Platz nimmt? Aber der Mensch gewöhnt sich an vieles.
Woran ich mich nie gewöhnen werde, ist die Tatsache, dass Opernbesucher sich nicht nur in Schale ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Zwischenruf, Seite 63
von Jürgen Otten
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