Ein Torso, frisch komplettiert
Glucks «Orfeo ed Euridice» ist eine, Haydns «Acide» ist auch eine – eine «azione teatrale» oder auch «festa». So nannte man Stücke, die zu bestimmten Festanlässen komponiert wurden. Während die Gluck-Oper Triumphe feierte, verschwand Haydns Werk rasch aus dem öffentlichen Bewusstsein. Entstanden war «Acide» aus Anlass einer Hochzeit: Als der älteste Sohn des Fürsten Eszterházy 1763 eine Gräfin heiratete, wurde drei Tage lang ausgiebig gefeiert. Am Tag nach der Trauung wurde nach dem Mittagessen – welch ungünstige Zeit! – Haydns Oper uraufgeführt.
Der Stoff um den Zyklopen Polyphem entstammt den Ovid’schen «Metamorphosen», in deren 13. Buch nicht nur sein heftiges Werben um Galatea, sondern auch die Verwandlung des Acide geschildert wird. Nachdem Polyphem ihn mit einem Felsbrocken des Ätna erschlagen hat, verwandelt Galatea das Blut des Sterbenden in einen Fluss, der schließlich seinen Namen trägt.
Unter dem Titel «Acis und Galatea» hatten zuvor sowohl Händel als auch Lully den Stoff für die Opernbühne musikalisch aufbereitet. Für Haydn richtete der Metastasio-Schüler Migliavacca das
Libretto ein. Von der ursprünglichen Fassung sind vier Arien sowie die meisten Rezitative verloren ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zu den schmissigen Klängen der Ouvertüre schwebt vom Bühnenhimmel eine überdimensionale Wodkakiste auf die ansonsten nackte Bühne nieder – Märchenpost aus Russland, aus deren sich öffnenden Seitenflächen die fantasievoll-farbenprächtig kostümierten Gäste der Hochzeitsfeier von Ruslan und Ludmila strömen. Was das Regie- und Ausstattungsteam mit diesem vom...
Ponnelle selig mag unerreicht sein. Unter den geschickten Vermarktern eigener Ideen nimmt Robert Carsen heute einen oberen Rang ein. Seine «Tosca»-Inszenierung, 1996 ein Juwel innerhalb seines Puccini-Zyklus an der Vlaamse Opera in Antwerpen und anno 2000 auch in Hamburg zu sehen, schmückte im April nun den Zürcher Spielplan. Und der Wahrheit die Ehre: Ein...
Siegmund und Sieglinde finden sich in einem Vorort New Yorks, Wotan ist Ober-Börsianer, die Götter geben die Statthalter einer zerfallenden Luxusgesellschaft, die Walküren flanieren auf dem Catwalk zu Bildern aus Francis Ford Coppolas Kinoklassiker «Apocalypse Now». Zur «Walküre» im Theater der Stadt Koblenz wird viel Bekanntes, aus alten Produktionen Stammendes...
