Willkommen, bienvenue, welcome
Crossover? Da hebt sich in Deutschland noch immer manche Braue – wie man in den diversen Internetforen, die sich mit E und U beschäftigen, feststellen kann. Denn die Kategorien der E-Musik – von Beamten des 19. Jahrhunderts erfunden und Sammelbegriff für wertvolle, doch kommerziell vergleichsweise chancenarme Werke – und jene ihrer sich vermeintlich prostituierenden, weil dem Massengeschmack hinterherhechelnden Schwester, der U-Musik, wuseln noch immer in vielen Hirnen.
Dass man etwa in den angelsächsischen Ländern den Bereich der Unterhaltung nicht Dummköpfen überlässt, weil man ihn viel zu ernst nimmt, steht auf einem anderen Blatt.
Zwei Diven der Opernbühne üben in ihren neuen Recitals nun jenes Grenzgängertum in überzeugender Manier, wenn auch auf völlig unterschiedlichen Pfaden: Diana Damrau serviert in «Forever» eine gewagt bunte Mixtur aus Operette, Musical und Filmmusik; Anne Sofie von Otter widmet sich im zweiten Teil ihres Doppelalbums «Douce France» französischen Chansons mit Verve und ganz im Zauber des Varietés.
Die Damrau schenkt uns eineinviertel Stunden, in denen man das Gewicht der Welt nicht spürt. Einundzwanzig Nummern – ein Flickenteppich, aber keineswegs ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Gerhard Persché
Da ist schon jemand. Ein junger Mann in schwarzem Wams und weißer Pluderhose. Irre Augen, bleiches Gesicht, das rotgelbe Haar fällt in wirren Strähnen. Wie ein gehetztes Tier kauert er da, bebend vor Angst. Zur Strecke gebracht im staubgrauen Verlies, das Stefan Heinrichs auf die kleine Bühne des Lübecker Theaters gebaut hat. Während die Zuschauer noch nach ihren...
Elektrisierende Streicher, dunkel murmelndes Klavier. Wind, der die Baumwipfel zaust, in rhythmischen Böen niederstreicht – so beginnt Ralph Vaughan Williams’ «On Wenlock Edge» zu Texten aus A. E. Housmans «A Shropshire Lad», uraufgeführt 1909. Dann sind da die Glocken in «Bredon Hill», schwingende Quinten, leichtfüßig durchschrittene Terzen, schließlich düstere...
Statt des aus Hexen- und Lady-Motiven montierten «Preludio» springen 15 Magdeburgerinnen im Parkett auf, kapern die Bühne, skandieren «Mädchen sind brav. War ich nicht. Ich war anders». Sie nutzen das Theater, um sich Gehör zu verschaffen, die Gruppe, um in ihr Schutz zu suchen. Der zornige Sprechchor rekapituliert rhythmisch klappernd die Geschichte einer von...
