Nachhilfe für Mozart
Lang ist das alles schon her: «Così fan tutte» gute acht, «Don Giovanni» sogar knappe elf Jahre. Und stilistischer Stillstand, das Ausruhen auf dem einmal Analysierten, das Zufriedengeben mit dem erfolgreich Erreichten wäre so ziemlich das Letzte, was man mit dem Workaholic Kirill Petrenko verbinden würde. Die Metamorphose verblüfft dennoch. An der Komischen Oper Berlin muss das seinerzeit, wenn die Erinnerung nicht trügt, ein Mozart ganz aus dem Geiste des Sturm und Drang gewesen sein. Harsch, aufbrausend, angriffslustig, direkt, überraschend.
Nun, im neuen Leben als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, ist allein Letzteres geblieben: Petrenkos «La clemenza di Tito» lässt ebenfalls aufhorchen, aber aus anderen Gründen. Erstmals setzt er sich mit dem Spätstück auseinander. Mit einer Seria, die nur wenig mit dem orchestralen Spieltrieb und der Experimentierlust des «Idomeneo» zu tun hat, die auf wundersame Weise zu einer Ökonomie der Mittel findet – und damit fast dieselbe Wirkung erzielt.
Für die Premiere, man hört es, muss Petrenko ungeheuer penibel geprobt haben. «Penetrenko», dieser Spitzname kursiert schon in Münchner Orchesterkreisen. Nicht böse ist das gemeint, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Markus Thiel
Es war eine anmutige, traditionelle «Werther»-Deutung, die der französische Schauspieler und Regisseur Paul-Émile Deiber 1971 an der Met für seine spätere Frau Christa Ludwig und für Franco Corelli in der Titelpartie in Szene gesetzt hatte. Richard Eyres Neuinszenierung von Massenets Vierakter könnte man neokonservativ nennen: Visuell angereichert mit Naturmotiven...
Mehr als Scharnierwerke zwischen verebbender Romantik und heraufdämmernder Moderne sind das. Und es scheint, als habe mit Blick auf diese Phase der musikalischen Entwicklung Richard Strauss auch beim Lied (wie bei der Oper) den Repertoire-Sieg davongetragen. Dabei erkunden die Mini-Dramen eines Franz Schreker, Alexander Zemlinsky, Othmar Schoeck oder Wilhelm...
Wie «Les Troyens» gehört auch «Benvenuto Cellini» zu den Schmerzenskindern der Operngeschichte. Während die «Trojaner» inzwischen zu Recht als eines der großen Musiktheaterwerke des 19. Jahrhunderts gelten, hat es Berlioz’ 1838 uraufgeführte erste Oper «Benvenuto Cellini» weiterhin schwer. Warum, machte die Aufführung in Münster wider Willen deutlich. Libretto und...
