Mit Dante gegen die Mafia

Beim legendären «Cantiere» von Montepulciano glückt ein fulminanter Neustart

Opernwelt - Logo

Gemäuer, Weinlaub, schiefe Treppen, hinten leuchtet die Toscana. «Kinder, mit Schrotgewehren erschossen, von Baggern überrollt, von Dynamit zerfetzt…» Es ist schön hier, es gibt keinen schöneren Ort als Montepulciano. Die Mafia ist fern, möchte man glauben, aber nun steht da Luciano Violante und rezitiert zu den Tönen eines kleinen Ensembles. Seine Bodyguards haben sich dezent an allen vier Ecken eines stilvoll restaurierten Weingewölbes der alten Bergstadt postiert.

«Schuldige! Schuldig, Söhne, Brüder, Freunde, Nachbarn zu sein, schuldig, in einer Stadt der Wölfe gelebt zu haben, Stadt einer Nation von Wölfen.» Violante klagt ganz Italien an in seiner «Kantate für die von der Mafia getöteten Kinder». Er schrieb sie 1995, als er Präsident der Antimafia-Kommission war. Heute, mit 67 Jahren, gilt Violante als einer der wenigen unbestechlichen Politiker Italiens, er ist hoch anschlaggefährdet.
Es ist mehr als nur eine Sensation, dass dieser Richter und Dichter hier auftritt. Es markiert einen Neubeginn beim legendären «Cantiere Internationale d’Arte di Montepulciano», dem Musikfest, das Hans Werner Henze 1976 in der Toscana gründete, um Hochkultur und Basis zu verbinden. Henze schrieb ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Festspiele, Seite 34
von Volker Hagedorn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aus der Ruhe kommt die Kraft

Dass «Der fliegende Holländer» erst ab 1901 in Bayreuth gespielt wurde, ist kein Zufall. Wagner wollte das, was er als Entwicklung von der Oper zum Musikdrama erstrebt und erkämpft hatte, keineswegs zurückdrehen. Als Nummernoper hatte der «Holländer» wenig mit dem später avisierten Gesamtkunstwerk zu tun. Wenn Wagner mehr Zeit geblieben wäre, hätte er alle seine...

Gehaltvolles Dessert

Der Schriftsteller und Musikwissenschaftler Romain Rolland meinte einmal, Händel habe «die große Überlegenheit von Porpora in Bezug auf den großen Stil und dramatische Kraft» genau registriert. Der Dirigent und Cembalist Ondrej Macek, der vor zwei Jahren in der Wiener Nationalbibliothek die bislang unbekannte Serenade «La morte di Ercole» von Nicola Porpora aus dem...

Anselm Kiefer meets Jörg Widmann

Herbstlaub, Asche, Staub. Acht betongraue Himmelstürme ragen in den Schnürboden. Bleischwer ist die Luft, von den Klagelauten aus den Büchern Jesaja und Jeremia und vom Gehämmer der Trümmerfrauen. Alles schmeckt hier nach Apokalypse, nach Endzeit – die Sprache, die Geräusche, die Musik, der Raum. «Am Anfang» hat Anselm Kiefer seine Installation für die Pariser...