Fiesheit und Leidenston
Die Werkgeschichte ist so kompliziert wie die Zeit, in der Schostakowitschs Oper «Lady Macbeth von Mzensk» zur Welt kam. Nach der Premiere 1934 wurden im Folgejahr die ersten (Text-)Änderungen vorgenommen, bevor die Oper nach dem Prawda-Aufsatz «Chaos statt Musik» erst einmal auf dem Index landete und erst 30 Jahre später in einer von Schostakowitsch weiter gemilderten Form wieder aufgeführt werden durfte. Es dauerte noch länger, bis die Originalfassung auf die Spielpläne zurückkehrte. So auch in Wien 2009, wo man in den 60er-Jahren nur die Soft-Version gegeben hatte.
Mit dieser Produktion gab Ingo Metzmacher sein Debüt an der Staatsoper. Er setzt bei Schostakowitsch auf grelle Kontraste und Crescendi, die Mord und Tod erahnen lassen. Das Geschmeidige wirkt immer wie Klang gewordene Real-Satire. Das Orchester findet, bei aller Wärme im Klang, zu grotesken Pointen, beißenden Bläserattacken, geiferndem Trommelwirbel, zynischem Streicherwimmern. So durchleuchtet, wirkt die Partitur wie eine riesige Grimasse, wie eine gewaltverzerrte Fratze, die mitunter auch zweideutig-parodistische Züge annimmt. Klar, dass sich das Wiener Orchester bei den Walzer-Motiven und Walzer-Verhässlichungen ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Medien/CD, Seite 25
von Christoph Vratz
Herr Lucic, Inszenierungen des «Macbeth» spielen häufig in einer Ostblock-Diktatur. Sie sind in einer Ostblock-Diktatur groß geworden. Sehen Sie auch diese Parallele?
Ich würde das nicht vergleichen. Für mich ist Macbeth einfach eine verrückte, blutige Figur, die im Grund ganz unsicher ist. Ich sehe ihn auch nicht als zutiefst bösen Menschen. Für mich erklärt sich...
Kultur scheint die Passion der Politiker – sie verfolgen sie. Dabei geht es in der Regel um vergleichsweise geringe Beträge. Doch wird die Sparschraube mit Vorliebe dort angesetzt, wo die Gefahr einer Auswirkung auf die Wählerarithmetik am geringsten ist. Wie zur Zeit bei der Wiener Kammeroper, die aufgrund von Subventionsengpässen ums Überleben kämpft – ein Brand,...
Der erwartete und von manchem erhoffte Skandal blieb aus. Der katalanische Regie-Berserker Calixto Bieito ist wohl zu sehr Katholik, um sich an einem Werk wie den «Gesprächen der Karmelitinnen» zu versündigen. Mit einer gewissen Demut nähert er sich dem Stück, das er sich für seine vierte Inszenierung an der Komischen Oper selbst ausgesucht hat. Er legt es zunächst...
