Einsamkeiten
Eine Abschiedssymphonie. Nach und nach erheben sich Choristen und Instrumentalisten von ihren Plätzen am Bühnenrand im Parkett und gehen nach draußen. Dido ist buchstäblich von allen verlassen. Niemand ist im Sterben bei ihr. Die letzte Note der Partitur bleibt in der Luft hängen. Nie war diese abgründige Todesmusik Henry Purcells trauriger, in aller Sanftheit trostloser. Und auch der milde Schlusschor will nicht recht versöhnen: Dido konterkariert den Klangbalsam des Vokalkollektivs mit Zuckungen und ächzenden Lauten.
Dieses Ende wird zum stillen Höhepunkt der «Dido and Aeneas»-Inszenierung von Barrie Kosky an der Oper Frankfurt. Die irische Mezzosopranistin Paula Murrihy gestaltet die weibliche Titelrolle mit einer Stimmkraft, die sich in somnambuler Ruhe entfaltet. (Neben ihr gerät der stimmschöne Bariton Sebastian Geyer fast zur Episodenfigur). Stationen der Ruhe kennzeichnen zuvor schon vor allem den musikalischen Eindruck der Purcell-Oper, die mit historischen Instrumenten und gambenbetontem Continuo in einer Stimmung von 415 Hz gespielt wird. Dabei entspricht die Schlussszene dem heutigen fis-moll: jener Tonart, in der «Herzog Blaubarts Burg» beginnt. Diese schöne ...
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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Hans-Klaus Jungheinrich
Die trauen sich was in Paris: So altmodisch kommt der neue «Werther» der Bastille-Oper daher, dass man unwillkürlich Georges Thill und Ninon Vallin in diesem Pappmaché-Idyll erwartet. Tatsächlich dreht sich in Benoit Jacquots ursprünglich 2004 für Covent Garden entstandener Produktion alles um Werther und Charlotte – sogar die Kamera, die das verhinderte Paar von...
«Dieses Drama ist nach meiner Meinung das Beste, was ich je gedichtet habe, sowohl hinsichtlich des Stoffes und der Handlung als auch hinsichtlich der Verse. Es ist wollüstig, jedoch nicht lasziv, und erregt von Anfang bis Ende die Anteilnahme des Publikums. Den Beweis dafür erbrachten hundert in kurzer Zeit erfolgte Aufführungen.» So schreibt Lorenzo da Ponte in...
Schon seit Jahren ist das Interesse an Giacomo Meyerbeers frühen Opern in stetem Wachsen begriffen. Wiederaufführungen von «Semiramide», «Margherita d’Anjou», «Il crociato in Egitto» sowie der szenischen Kantate «Gli amori di Teolinda» auf der Bühne, im Konzertsaal und im Tonstudio gerieten immer wieder zu beeindruckenden Erlebnissen und beglückenden Erfahrungen,...
