Romantischer Trash
Noch bis vor kurzem galten die Bilder aus dem alten Russland oder wenigstens die Anmutungen einer brüchig tradierten Bürgerwelt als Garanten dafür, dass Tschaikowskys Lyrische Szenen zu Puschkins Versroman «Eugen Onegin» ihre Theaterpoesie entfalteten: Peter Stein hatte zuletzt in Lyon viel kunsthandwerkliche Präzision im bürgerlichen Realismus aufgeboten, Andrea Breth in Salzburg die seelische Feinmotorik im fragilen Kammerspiel vier junger Leute vorgeführt. Gefeiert wurden beide für ihre Arbeit.
Dagegen stand Krzysztof Warlikowski auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters am Ende reichlich irritiert da, fremd mitten im frenetischen Applaus für die Künstler um Kent Nagano, und wunderte sich über die Buhrufe. Der schlaksige Mann wirkte müde, leicht zerrupft, versuchte freundlich-trotzig zurückzuwinken. Zum ersten Mal hat Warlikowski, der 1962 in Stettin geborene Theaterregisseur, jetzt an einem deutschen Opernhaus inszeniert. Vor sieben Jahren war er angetreten, sich mit Oper zu beschäftigen, Aufsehen damit erregte er aber erst an der Bastille-Oper Gerard Mortiers, mit Glucks «Iphigenie auf Tauris» und Janáceks «Sache Makropulos».
Von Anfang an herrscht, wenigstens für ...
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«It contains nudity», warnt das Cover auf der DVD-Ersteinspielung der fragmentarisch überlieferten Vivaldi-Oper «Ercole su’l Termodonte». Tatsächlich ließ der amerikanische Bühnenbildner/Regisseur John Pascoe den attraktiven, wenn auch keineswegs herkulischen Titelhelden der Ausgrabung beim Spoleto-Festival (siehe OW 9-10/2006) antik auftreten: nackt mit...
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Blättert man die aktuellen Monatsblätter deutschsprachiger Bühnen durch, drängt sich der Eindruck auf, dass die Kleinen inzwischen die Größten sind. Kein Haus, das es sich noch leisten könnte, den minderjährigen Nachwuchs bei der Programmgestaltung zu übergehen. Und die Angebotspalette ist so farbig wie bei den «Alten» – sie reicht von Bearbeitungen bekannter...
