Der Fall Ikarus
Der schädigende Zwischenruf kommt aus dem recht schütter besetzten Block H. «Mikro, Rolando», schallt eine energische Frauenstimme quer durch die Berliner Philharmonie. Und leider bleibt sie nicht einsam, diese Stimme. Mehrere Besucher, die neben ihr sitzen, schließen sich der verbalen Protestresolution an und sorgen damit für einen etwas zu langen Augenblick jenes Schreckens, den man keinem Sänger wünscht. Doch da muss er jetzt durch, der Rolando, wie sie ihn, allzu kumpelhaft, nennen, weil er immer so nett ist: hindurch durch die manchmal widerborstige Waschanlage Wirklichkeit.
Rolando Villazón versucht es mit Charme. Was soll er auch sonst tun? Das Mikrofon steht ja direkt neben ihm. Aber eigentlich wollte er von dort aus nur die beschwingten (und den Auftritt künstlich verlängernden) Ansagen zwischen den Stücken machen, die er gemeinsam mit den «Bolívar Soloists» an diesem Abend präsentiert. Bis zu 130 Euro haben die Leute hingeblättert, um das zu hören, was schon auf der CD mit dem Titel «!México!» erschütternd medioker anmutet: Lieder aus Mexiko, über Mexiko, Lieder vom Leben dort, von der Liebe und, natürlich, vom Leiden und der Leidenschaft.
Das Mikrofon bleibt da, wo es ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Jürgen Otten
Das Bonner Opernhaus hat Franz Schrekers «Irrelohe» ausgegraben und damit ein Schlüsselwerk der Moderne neu entdeckt. In der Nazizeit wurden die Opern des Halbjuden Schreker als «entartet» gebrandmarkt, und so verschwand auch das Stück mit dem schauderhaft schönen Titel in der Versenkung. Von der Renaissance der Schreker-Opern seit den achtziger Jahren profitierte...
Beethovens Erstfassung des «Fidelio» wurde auf CD bislang stets als «Leonore» veröffentlicht. Groß ist die Auswahl nicht. Die früheste Einspielung entstand 1950 unter Hans Altmann, ein Jahr später folgte die erste Vergleichsaufnahme unter Ferdinand Leitner. Die bekannteste Einspielung, unter John Eliot Gardiner, von 1996, folgt einer Mischfassung der Versionen von...
Überraschen müsste nicht die späte Einsicht, die hier mitgeteilt und begründet wird. Überraschen müsste, dass es dazu so spät erst kommt. Immerhin liegt, worum es hier geht, schon mehr als hundert Jahre zurück, ohne dass es historisch verjährt wäre. Ob die Einsicht – falls sie denn überhaupt einleuchtet – zu heutigen Konsequenzen führen wird, bleibt abzuwarten....
