Venus hat die Hosen an
Fast ist es wie bei Richard Wagner in Nibelheim: Der Big Boss der Götter hat Mühe, seinen Laden zusammenzuhalten. Zum Karneval 1675 servierte Giulio Cesare Corradi eine wilde Geschichte aus dem Olymp – am Teatro Vendramin in Venedig, in der Nähe der Rialto-Brücke. Die im Titel erwähnte Aufteilung der Welt zwischen Jupiter und den Abteilungsleitern für das flüssige Element (Neptun) sowie für die Unterwelt (Pluto) kommt in Corradis Libretto nur am Rande zur Sprache. Im Fokus steht das Treiben der Venus, die am liebsten mit jedem ins Bett steigt.
Derart Laszives war offensichtlich nach dem Geschmack des zahlenden Publikums im «Las Vegas» der Frühen Neuzeit. Die Oper hielt sich fast ein Vierteljahrhundert auf den Spielplänen. Wiederentdeckt wurde sie von Thomas Hengelbrock, der sie im Mai 2000 in Schwetzingen präsentierte, im Juni 2018 gab es in Kiel die zweite szenische Produktion seit dem 17. Jahrhundert.
Was interessierte die Zeitgenossen Newtons und Racines an dieser Story? Natürlich die Gratwanderung zwischen Promiskuität und der notdürftigen Herstellung der moralischen Ordnung zum Schluss. Aber auch die Musik des heute kaum bekannten Giovanni Legrenzi mit ihren häufigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Anselm Gerhard
Der russische Komponist Alexander Wustin, geboren 1943, hat sich den Ruf eines ernsthaften, tiefgründigen Avantgardisten erworben. Sein intensives Erleben der Zeitgeschichte als Raum für das aktuelle Musikschaffen lässt ihn in gewisser Weise zu einem Erben Anton Weberns werden. Vladimir Jurowski, seit 2011 Leiter der Jewgenij-Swetlanow-Symphoniker, ernannte Wustin...
Wer die Spielpläne deutschsprachiger Opernhäuser studiert, kommt um eine Erkenntnis nicht herum: Der Kanon der aufgeführten Werke ist relativ eng bemessen. «Die Zauberflöte», «Aida», «La traviata», «La Bohème», es sind die ewigen (Kassen-)Schlager, die angesetzt werden, meist mit Aussicht auf einigermaßen gefüllte Säle. Business as usual. Mit erwartbaren...
Shibuya Crossing, an einem milden Februar-Abend. Wenn die Fußgängerampeln Grün zeigen, ist von den strahlendweißen Zebrastreifen, die Tokios berühmteste Straßenkreuzung zieren, nichts mehr zu sehen. Aus allen Richtungen ergießen sich gigantische Menschenwellen auf den Asphalt. Sie strömen an den Rändern des von trendigen Shopping Malls, von Wolkenkratzern und...
