Gesang der Klangmaschinen
Auf dem Weg ins Untergeschoss des Schweizerischen Verkehrsmuseums durchquert man eine Halle, die voller ausrangierter Flugzeuge hängt, Einmotorer, fliegender Kisten aus der Pionierzeit der Luftfahrt. Durch diese Szenerie erwartungsvoll eingestimmt, nimmt man auf einer der beiden Seitentribünen Platz, die die langgestreckte Spielfläche flankieren.
Am Kopfende ein kleines Orchester und davor eine ganze Batterie von Musikmaschinen: Die MIDI-gesteuerten, beweglichen Klangroboter mit ihrem dekorativen Gewirr aus Drähten, Schläuchen, Holz- und Metallteilen werden später zusammen mit den Instrumenten einen angemessen technoiden Sound produzieren. Konstruiert hat sie Roland Olbeter, Geiger, Ingenieur und Mitglied der Theatertruppe La Fura dels Baus. Er schuf auch das Bühnenbild für den Valencia-«Ring».
Der spielerische Einsatz von Bühnen-, Klang- und Lichttechnik prägt das zwischen Multimedia-Performance und Installation oszillierende Musiktheaterstück mit dem Titel «Cantos de Sirena», das das Luzerner Theater zu seinem 175. Geburtstag im Januar per Koproduktion mit der Oper Köln als Uraufführung herausbrachte. Das strapazierte Wort «Regietheater» ist hier einmal ganz am Platz. Geboren aus ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Max Nyffeler
Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen überall hin. In der Lübecker Aufführung von Hector Berlioz’ «La Damnation de Faust» darf Marguerite nicht als unschuldige Seele dem Ruf der himmlischen Geister folgen. Sie ist vielmehr ein gefallener Engel, der sich in einen Vamp verwandelt und den Verderber umarmt, lasziv küsst: Méphistophélès. Marguerite hat viel...
Vor sechs Jahren sang Philippe Jaroussky auf dem Album «Opium» erstmals französische Lieder der Belle Époque (siehe OW 5/2009). Im Sinne einer Mentalitätsgeschichte der Klänge ließe sich auch rechtfertigen, dass ein Countertenor dieses Repertoire pflegt, gerade jetzt, da Jaroussky zwei neue CDs mit Liedern nach Paul Verlaine aufgenommen hat. Als 1869 durch die...
Mit zwei Alleinstellungsmerkmalen wollte Dessaus scheidender Intendant André Bücker seinen «Ring» unverwechselbar machen: Zum einen ließ er Raum und Kostüme im Stil von Oskar Schlemmers Bauhausbühne gestalten; zum anderen erzählte er die Story rückwärts, die «Götterdämmerung» stand also am Anfang (Premiere war im Mai 2012). Das ist die Reihenfolge, in der Wagner...
