Welt am Draht
Am Anfang ist Alcinas geheimnisvolles Inselreich – ein virtuelles Gefängnis, durch Stromdrähte gesichert – noch mit Plastikplanen verhüllt, die sich als stilisierte Meereswogen deuten lassen. Dann reißt der liebeskranke Orlando auf der Suche nach Angelica zu seiner «Nel profondo»-Arie die Sperren ein – um in die Fänge der in einem Ganzkörper-Schuppenkleid steckenden Zauberin zu geraten. Am Ende verabschiedet sich der dem Wahnsinn gerade noch entkommene «Rasende Roland» plötzlich auf Deutsch aus dieser Scheinwelt und geht langsam durch den Zuschauerraum ab.
Roland Schwabs spannende Inszenierung gewinnt nach der Pause dank geschickter Striche an Fahrt und Intensität. Der Regisseur begnügt sich nicht mit einer Nacherzählung der verwirrenden Geschichte, sondern nimmt uns mit auf eine verstörende Reise, während derer schon mal zwei in den Drähten hängende Geiger schräge Töne von sich geben oder eingespielte Science-Fiction-Filmmusiken die Klänge Vivaldis gefrieren lassen. Wenn Orlando schließlich, von vier schwarzen Schatten begleitet, zum Gewitter aus den «Vier Jahreszeiten» und dem berühmten «La Follia»-Thema tanzend alles um sich zerstört, beinahe auch sich selbst, attackiert dieser ...
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