Star-Zirkus
Muss man eine Oper, die unter armen, frierenden Künstlern in einer intimen Großstadt-Mansarde spielt, bei 28 Grad Außentemperatur in einem Amphitheater vor einer monumentalen antiken Mauer und einer Kulisse von 8000 Menschen aufführen?
Man muss wohl, wenn man sein Programm nicht nach Aspekten künstlerischer Sinnhaftigkeit zusammenstellt, sondern nach der Liste der zuschauerträchtigsten Opernwerke. Da gehört Puccinis «Bohème» nun mal zu den Top 3, deshalb darf sie bei den auf Popularität bedachten «Chorégies» in Orange nicht fehlen.
Regisseurin Nadine Duffaut geht dem Kontrast zwischen der frostigen Bühnenhandlung und dem kollektiven Luftzufächeln im römischen Rund aus dem Weg, indem sie aus dem Elend der Bohème eine fröhliche Künstler-WG nach dem Motto «arm, aber sexy» macht: Man ahnt, dass irgendwo in den angedeuteten Straßenschluchten von Paris ein wohlhabendes Elternhaus wartet, falls diese WG-Bewohner ihr Künstler-Abenteuer irgendwann satt haben.
Rodolfo ist mehr in sich selbst verliebt als in Mimi, die folgerichtig zum tragischen Ende einfach stumm im Erdboden verschwindet – sie bleibt letztlich nur eine schmerzhafte Episode im Erwachsenwerden des jungen Schriftstellers. Das ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Dieter Lintz
In den Medien gelte Kärnten nunmehr als «Land der Gauner und der Narren», klagte dieser Tage ein in die Politik gewechselter Journalist in einer renommierten Wiener Tageszeitung. Er spielte damit nicht nur auf die alljährlich vor allem die Stammtische erheiternde Fernsehübertragung des «Villacher Fasching» an, eine Art alpenländisches «Mainz, wie es singt und...
Der Polizeichef von Venedig singt mit hoher Sopranstimme. Vor TV-Kameras und Rundfunkmikros gibt er sich absolut sicher: Die Brandstifter werden gefasst. Seine Musik kommt uns irgendwie bekannt vor. Genauer: seine elegant durch Oktaven tänzelnde Melodie. Die Harmonien freilich reiben mehr im Ohr als gewohnt, und auch mit dem Rhythmus stimmt etwas nicht. In Ligetis...
Am Ende bricht Boris im Parlament zusammen. Nikolai Putilin, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Boris Jelzin aufweist, hatte an diesem Abend nach schwachem Beginn dem Zaren doch noch klares Profil geben können. Besonders in der Wahnsinnsszene des letzten Bildes, als Godunow von Schujskij – strahlkräftig, aber zu unkontrolliert: Yevgeny Akimov – abermals mit der...
