Aus dem Leben eines Taugenichts
Wie sagt man so schön? Gebranntes Kind scheut das Feuer. Für mich steht demnächst eine Produktion in einem Opernhaus an, in dem ich vor ungefähr 20 Jahren mal so richtig versengt wurde.
Natürlich übertreibe ich maßlos, wie immer. In Wahrheit war die Geschichte nicht besonders markerschütternd. Vor allem nicht besonders besonders. Einfach eine von denen, die manche abschütteln wie eine lästige Fliege, die aber den meisten Sängern Schaum vor den Mund treibt. Die Rede ist von Strichen.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich hab nichts gegen Striche. Im Gegenteil.
Es gibt ja Kollegen, die machen Basilio in «Le Nozze di Figaro» nur, wenn seine Arie nicht vorkommt. Während ich mir denke: Hallelujah! Denn wieso man die singen, geschweige denn einem Publikum zumuten will, ist mir ohnehin ein Rätsel. Auf die Idee kann eigentlich nur kommen, wem Narzissmus die Vernunft vernebelt hat.
Was mich zum Kochen bringt, sind die strichkulturellen Umgangsformen. Beliebt sind folgende Varianten: a) Dirigent und Regisseur wissen, was sie streichen wollen, sagen’s aber nicht den Sängern. b) Dirigent und Regisseur beschließen, sich erst im Probenprozess Gedanken über die Striche zu machen – wiederum auf ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Christopher Gillett
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