Gute Unterhaltung

Von allem etwas: Die niederländische Nationale Reisopera

Opernwelt - Logo

Der letzte Tag einer Ehe, so könnte man die Geschichte von Medea überschreiben. Einer nicht besonders glücklichen Ehe natürlich, denn Medea ermordet ihre eigenen Kinder. Luigi Cherubini hat diesen mythischen Stoff 1797 vertont: ein Meisterwerk irgendwo zwischen Klassik und Romantik, das dank Maria Callas nicht ganz vergessen wurde. Derzeit erscheint es plötzlich überall auf dem Spielplan, auch bei der Reisoper im niederländischen Enschede.
Berichte über Kindermorde durch ­Eltern liest man mehr denn je in den Tageszeitungen.

Das Thema ist heute also genauso aktuell wie im antiken Griechenland oder im von der Revolution zerrütteten Paris zu Cherubinis Zeiten. Bariton Dale Duesing, der vor einiger Zeit sein erfolgreiches Regiedebüt in Frankfurt gab, zeigt bei «Medea» eine verfremdete und doch zeitgenössische Welt, in der die Menschen scheinbar glücklich in Frieden zusammenleben, obwohl man Gruppenzwang und dogmatische Ehrfurcht spürt. Eine Anspielung auf die in einer vorindustriellen «heilen» Welt verharrende Sekte der amerikanischen Amish People? Es sind gerade homogene, geschlossene Gesellschaften, die Außenseiter und Kritiker verstoßen und damit Widerstand und Rache provozieren.
Dies ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Magazin, Seite 32
von Willem Bruls

Vergriffen
Weitere Beiträge
Selten schöne Sintflut

Am Schluss wird dann doch die bisher so manierlich mit Choristen und Solisten bevölkerte Treppenhaus-Bühne geflutet. Das Meerwasser bahnt sich ungehindert seinen Weg; über Stufen, Türschwellen und aus Wandöffnungen strömend – und – wir sind im doch so erhaltenswerten Théâtre du Capitole de Toulouse – auf wundersame Weise trotzdem nicht in den Orchestergraben...

Alle Macht dem Chor

Der russische Komponist Wladimir Deschewow – er lebte von 1889 bis 1955 – ist hierzulande nicht einmal dem Namen nach bekannt. Deschewow gehörte der «Assoziation für zeitgenössische Musik» an, der sich in den 1920er Jahren in Petrograd, dem späteren Lenin­grad und heutigen St. Petersburg, gebildet hatte. Dort rezipierte man die westliche Avantgarde, vor allem den...

Aus dem Elysium

Monteverdi, Cavalli, Vivaldi, Galuppi, Goldoni – sie alle haben in der Serenis­sima gelebt und ihre Meisterwerke geschaffen. Kaum eine Stadt kann sich einer solchen Vielzahl von großen Namen der Musik- und Theaterwelt des Barock rühmen wie Venedig. Das Teatro «La Fenice» ist sich dieses außergewöhnlichen Erbes bewusst: In der letzten Saison gab es zum...