Samiel, hilf!
Wir sind nicht fröhlich oder traurig. Wir sind fröhlich oder gewalttätig.» So hat Stephen King, der king of horror, das amerikanische Lebensgefühl einmal zugespitzt. Disneyland und Todesstrafe. Mörderische Spaßgesellschaft. Aus dieser Richtung scheint sich in Köln Regisseur Viestur Kairish dem Weber’schen «Freischütz» genähert zu haben. Der Wettstreit zwischen Bauern und Jägern wird spielerisch mit Paintball-Gewehren ausgetragen, während zuckerwattesüße Blondchen das putzige Heim in Schuss halten. Und lächeln, was das Zeug hält, komme, was da wolle.
Mit Grausen gedenkt man der «Frauen von Stepford» aus Ira Levins gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1972, in dem die Heldin Joanna in ein vermeintliches Kleinstadt-Idyll gerät und entdeckt, dass die gefügigen Gattinnen allesamt Roboter sind. Im Roman wird Joanna dasselbe Schicksal zuteil. In der Verfilmung von 2004 mit Nicole Kidman, heute bekannter als das Buch, kommt sie davon. Was das mit dem «Freischütz» zu tun hat? In Köln wünscht sich Agathe, die einzige «normale» Frau auf der Bühne, sehnlichst ein anderes Leben als das eines solchen sprichwörtlichen «Stepford wife». Max, bei dem Zweifel an seiner Männlichkeit Aggressionen auslösen ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Wiebke Roloff
Man könnte sich die Haare raufen: 1979 wurde in einem Auktionskatalog ein Albumblatt Verdis reproduziert, ohne dass dies irgendeinem Verdi-Forscher aufgefallen wäre – bis heute. So fehlt die Miniatur aus dem Jahr 1877 in allen Werkkatalogen, auch in dem 2013 erschienenen «Verdi Handbuch» – ein Grund mehr, es sich wenigstens nach dem Verdi-Jahr genauer anzuschauen.
D...
Wäre doch schön gewesen. Ein «Tannhäuser» aus dem Geist des Tanzes. Einer, der die Brüche des Werks auflöst in Bewegung, den Venusberg in Körperlogik, die mittelalterlichen Wurzeln in ein modernes Darstellungsformat, die Dualismen in einen subjektkritischen Denkhorizont. Der Sängerkrieg als Performance-Kunst. Nach allem, was Sasha Waltz bisher gemacht hat, wäre...
Einen windungsreichen Weg legte der in Kissingen geborene Klaus Schultz zurück, um an die Spitze dreier Theater zu gelangen. Um die Eltern zu beruhigen, erlernte er den Brotberuf des Bibliothekars – der Sammler kostbarer Raritäten und Originalhandschriften verleugnete diese Anfänge nicht, und wenn man in die wunderbare Intendantenbibliothek im Münchner...
