Apropos... Teufel

Als Boris Godunow hat René Pape gerade einen persönlichen Erfolg an der Dresdner Semperoper gefeiert. Doch nun wird der Zar zum Teufel: Im neuen «Faust» der Berliner Staatsoper treibt er als Mephistopheles sein Unwesen. Premiere der Inszenierung von Karsten Wiegand ist am 15. Februar.

Opernwelt - Logo

Herr Pape, Sie haben als Knabe im Dresdner Kreuzchor oft vom Teufel singen müssen. Haben Sie als Kind auch an den Teufel geglaubt?
Ach wo, ich habe an den Teufel genauso wenig geglaubt wie an Gott. Der Teufel ist erst in mein Leben getreten, als ich ihn auf der Bühne dargestellt habe. Außerdem bevorzuge ich die Bezeichnung Mephisto. Das klingt nicht so negativ.

Ist der Teufel, pardon: Mephisto, denn nicht böse?
Für mich ist er einfach ein Erzengel, der genauso aus dem Himmel geflogen ist wie ich von der Schule.

Und wie Gott als Idee in uns gedacht ist, gehören eben auch die mephistophelischen Seiten zum Menschen. Dass man andere beschimpft, sich kleine Gemeinheiten erlaubt oder den Leuten auch nur mal kräftig die Meinung sagt, das ist einfach so. Und auch die sexuellen Versuchungen, in die Mephisto den Faust führt, sind doch ein Bestandteil unseres Lebens, den wir brauchen wie die Luft zum Atmen und das tägliche Brot. Unsere tägliche Versuchung gib uns heute! Zumindest mir geht das so.

Außerdem übt Mephisto ja in seinem «Lied vom goldenen Kalb» sogar handfeste Kapitalismuskritik. Damit ist er ja hoch aktuell!
Für mich ist Mephistopheles ohnehin der eigentliche starke Mann in Gounods ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2009
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unter Kriegern

Die Haltbarkeit europäischer Kunst ist schon erstaunlich. Kurz nachdem der englische Freibeuter William Dampier 1688 seine Eindrücke von der Entdeckung Neuhollands (im Nordwesten des fünften Kontinents) niederschrieb, wurde in der Pariser Jesuitenschule Collège de Louis le Grand Charpentiers tragédie biblique «David et Jonathas» uraufgeführt. Dreihundertzwanzig...

Viel Spreu, zu wenig Weizen

Die Oper auf DVD boomt. Kein Theater, das auf sich hält, will mehr darauf verzichten, die eigenen Produktionen medial zu vermarkten. Denn das bedeutet nicht nur eine zusätz­liche Einnahmequelle, sondern auch erhebliche Eigenwerbung. Künstlerische Erwägungen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Vieles, was auf den Markt kommt, hat allenfalls lokale...

Friedhof der Gefühle

Wie wenig sich die Zeiten ändern! 1992, als die Scala-Saison ebenfalls mit «Don Carlo» eröffnet wurde, habe vier Tage «Weltuntergangsstimmung» geherrscht und eine «nationale Identitäskrise» gedroht, berichtete Gabor Halasz damals in «Opernwelt» (siehe OW 2/1993). Der Grund: Luciano Pavarotti war grausam ausgepfiffen worden, weil er das hohe «H» nicht einwandfrei...