Das offene «Machwerk»
Musik verbindet, versöhnt, vereint Menschen – nationen- wie generationen- und schichtenübergreifend: als harmonisierende Himmelsmacht. Doch so lieb einem die Vorstellung sein mag: Sie stimmt leider nicht. Denn in kaum einer anderen Kunst sind die Trennlinien so ausgeprägt. Schon E und U stehen für grundverschiedene Welten, auch wenn sie manchmal weniger monolithisch sind, als deren Verfechter zuzugestehen bereit sind. Aber in beiden Sphären sich gleichermaßen auszukennen, ist immer schwieriger geworden. Eine mögliche Einheit rückt in immer weitere Ferne.
Selbst innerhalb der Klassik ist der Konsens oft geringer als erwartet. Oper und Kammermusik, Sinfonik und Klaviervirtuosität, Lied und Kirchenmusik sind keineswegs allen Musikbegeisterten gleich lieb und wert. Sogar konfessionelle Grenzen spielen noch in der eurozentrischen Kultur eine Rolle. Im katholischen oder auch orthodoxen Bereich haben Bachs Chorwerke beileibe nicht die Signifikanz wie im protestantischen, zumal deutschsprachigen Raum. Als Mauricio Kagel im Bach-Jahr 1985 das aparte Paradoxon formulierte: «Es mögen nicht alle Musiker an Gott glauben, an Bach glauben sie alle», war dies ein frommer Wunsch, gibt es doch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Essay, Seite 74
von Gerhard R. Koch
Im Dezember 2016 hatte das Nationaltheater Mannheim einen internationalen Regiewettbewerb für eine Inszenierung von Mozarts «Don Giovanni» ausgeschrieben. Als Sieger gingen unter den 50 Einreichungen aus sieben Ländern zwei junge Russinnen, die Regisseurin Ekaterina Vasileva und ihre Bühnen- und Kostümbildnerin Sonya Kobozeva, hervor. Ihr Konzept - «das...
Es könnte ein Rekordjahr werden. Das Endergebnis stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe zwar noch aus, aber es würde uns nicht überraschen, wenn das tropische Langzeithoch im Juli und August auch die Besucherzahlen in unerreichte Höhen getrieben hätte. Spielt das Wetter mit, ist die Bregenzer Seebühne quasi ein Selbstläufer. Und mit «Carmen», der dritten...
Betonquadergleich trotzt das Gebilde der Stadtsilhouette. Als Lichtspielhaus lässt es sich längst nicht mehr bezeichnen, eher als Kintopp-Supermarkt, als Abspielanlage für Blockbuster. Umso attraktiver für immer mehr Cineasten die kleinen, feinen Kinos. So eines wie das Neue Rex, westlich des Münchner Stadtzentrums gelegen und nun auf die Bühne des...
