d'Albert: Tiefland
Ob man die melodramatische Mär von dem glücklichen Bergburschen Pedro, der ihm in einem Tal der Tränen zugeführten Marta und deren Peiniger, dem Großgrundbesitzer Sebastiano, nun als deutsche Variante des Verismo feiert oder als Flachrelief eines Wagner-Epigonen abkanzelt – «Tiefland» bietet jede Menge Stoff für zupackende Solisten und Dirigenten. Die harmonische Substanz und die motivische Bandbreite der Partitur mögen sich in Grenzen halten, doch die Art, wie Eugen d’Albert seine Mittel einsetzt und variiert, verrät ein immenses Gespür für bühnenpraktische Effizienz.
Deshalb rührt das «Reißer»-Image des Stücks nicht nur von seiner dem Publikum unmittelbar zugänglichen Verständlichkeit; auch unter Sängern erfreut sich das gut einhundert Jahre alte Opus wegen seiner suggestiv gefügten Partien ungebrochener Beliebtheit.
Und so war es bei der ersten «Tiefland»-Expedition der Deutschen Oper am Rhein seit 1964 auch vor allem der musikalische Teil, welcher – alles in allem – im Duisburger Haus überzeugte. Vorweg die von Hans Wallat mit sicherem Sinn für das Cinemascope-Flair der Orchesterfaktur operierenden Philharmoniker. Prägnant, bodenständig, geradeaus steckten sie das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Benjamin Brittens todernste, abgründige Kammeroper «The Rape of Lucretia» (Die Schändung der Lukretia) aus dem Jahr 1946 und die ein Jahr später folgende parodistische Komödie «Albert Herring» sind für dieselbe kleine Orchesterbesetzung komponiert. Und doch klingt die Tragödie weitaus intimer, ja spröder als das Satyrspiel. Man möchte meinen, dass sich beide...
Es ist mir noch wie gestern, dass 1958 ein blond gelockter junger Mann unser Haus betrat und mich mit seinem Klavierspiel samt souveränem Vom-Blatt-Lesen verblüffte. Ich hatte mich nach einem Korrepetitor umgesehen, und mein Lehrer Hermann Weißenborn gab Ariberts stets aufmerksamer Mutter Irmgard Reimann den Rat, es doch einmal mit mir zu versuchen. Aber was ich...
Kaum vorstellbar: eine Aufführung des «Figaro» mit deutschen Dialogen oder die «Entführung» mit Secco-Rezitativen auf Italienisch. Im Falle von Mozarts «La finta giardiniera» gibt es extreme Fassungsunterschiede: Für Augsburg (1780) hat Mozart das Stück als Singspiel mit gesprochenen deutschen Texten autorisiert. Dass beide Versionen freilich nur zwei Seiten...
