Dinosaurier
Als wären angegraute Astronauten gekommen, um von ihren alten Abenteuern im All zu erzählen: Rein äußerlich ist das einstige Heldentum längst verwittert, aber es geht ja um kollektive Erinnerungen und lebende Legenden. Ein etwas nostalgischer Blick zurück in versunkene Zeiten. Und ein bisschen tun sie an diesen Oktober-Tagen in Los Angeles tatsächlich so, als ginge es um die Mondlandung – und nicht um eine Oper.
«Einstein on the Beach» macht Station im Dorothy Chandler Pavilion und wird, damit keine Missverständnisse auftauchen, als «eine der größten künstlerischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts» annonciert.
Ihre Urheber versuchen die damit einhergehenden Huldigungen nach bestem Können zu ignorieren: Philip Glass kauzt bei einer Gesprächsrunde auf seinem Stuhl und tunkt seinen Witz in schweres Nuscheln, Lucinda Childs guckt so streng wie eine Gouvernante im Wachsfgurenkabinett, und Robert Wilson fällt immer allen ins Wort. Gemeinsam sollen sie einem vor allem studentischen – also: nachgeborenen – Publikum erklären, was das 1976 für Zeiten waren, als sie «Einstein on the Beach» für Aix-en-Provence zusammenbauten: fünf Stunden Tableaus und Musik und viel Bewegung und keine ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Clemens Prokop
An der Längswand des von Alban Ho Van auf die Bühne der Oper zu Lyon gebauten modern-zeitlosen Refektoriums steht das Motto «Nous avons cru à l’amour de Dieu pour nous» («Wir haben an die Liebe Gottes zu uns geglaubt»): ein Satz wie in Asche liegend, zugleich ein verborgen glühender Text. Er nimmt das Sterben der Alten Priorin vorweg, ihr entsetztes «Dieu nous...
Anhaltisches Theater Dessau bleibt», steht auf einem großen Transparent am Portal des monumentalen Hauses, das der «Führer» einst der Stadt geschenkt hat. Oje, denkt man, wenn Berliner Hausbesetzer die Parole ausgegeben, dass irgendetwas «bleibt» – dann steht die Räumung meist unmittelbar vor der Tür. Zum Glück folgt auf dem Dessauer Transparent der Zusatz: «… was...
Der Zeitpunkt für die Wiedereröffnung war geschickt gewählt: der 22. Oktober, Geburtstag von Liszt Ferenc – Nationalheiliger, Gründer und Namensgeber der Budapester Musikakademie. Vorabend der Rebellion von 1956 und Proklamation der Republik 1989. Eine solche Gelegenheit lässt sich Viktor Orbán, Ungarns starker Mann, natürlich nicht entgehen. Als der...
