Hören, hören, hören
Des Menschen wichtigster Sinn ist das Sehen. In der Oper werden, im besten Fall, Auge und Ohr gleichermaßen gefordert. Doch was ist, wenn das Visuelle so übermächtig wird, dass es der Musik im Wege steht? Ein konservativer Dirigent wie Marek Janowski zieht daraus die Konsequenz, den ganzen Wagner in der Berliner Philharmonie nur noch konzertant aufzuführen – um das Primat des Hörens zu sichern. Die Zeitgenössische Oper Berlin nähert sich dem gleichen Ziel von der experimentellen Seite – und geht dabei einen radikalen Schritt weiter.
Bei «Into The Dark» schaltet sie komplett das Licht aus und führt Musik in absoluter Dunkelheit auf.
Man kennt das von gewissen Restaurants, in denen die Gäste ihr Essen ebenfalls nicht sehen können. Aber was dort Event ist, soll im Kleinen Sendesaal des Funkhauses an der Nalepastraße der Kunst dienen. Wie hört man, wenn man wirklich nichts sieht, wenn der Ton unvorbereitet kommt? Wenn keine ablenkenden Bilder da sind? Kann man Raum und Theater allein durch Klang erzeugen? Regisseurin Sabrina Hölzer hat eine ähnliche Erkundung schon vor neun Jahren im Hebbel-Theater mit «Tragödia – der unsichtbare Raum» von Adriana Hölszky unternommen. Damals musste das ...
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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Udo Badelt
Vor knapp dreißig Jahren machte William Christie mit seiner Einspielung auf die vierzigminütige Minioper von Charpentier aufmerksam. Seitdem wird «Actéon» meist als Seitenstück zu Purcells «Dido and Aeneas» gegeben. So verdienstvoll Christies Pioniertat gewesen sein mag, so wichtig ist es, dass jetzt eine zweite Einspielung das Stück sozusagen auf den Ist-Stand der...
Eine Abschiedssymphonie. Nach und nach erheben sich Choristen und Instrumentalisten von ihren Plätzen am Bühnenrand im Parkett und gehen nach draußen. Dido ist buchstäblich von allen verlassen. Niemand ist im Sterben bei ihr. Die letzte Note der Partitur bleibt in der Luft hängen. Nie war diese abgründige Todesmusik Henry Purcells trauriger, in aller Sanftheit...
«Ein Leben auf der Erde lohnt sich noch, solange solche Musik komponiert wird», befand der Komponist Nikolai Mjaskowski, nachdem er die Oper «Der feurige Engel» von Prokofjew gehört hatte. Zweifelsohne zählt der «Feurige Engel» zu jenen Schöpfungen im Musiktheater, deren Intensitäten wie ein Schauder durch die menschliche Seele strömen – zumal dann, wenn sie so...
