Lost in Paradise
Huiiiiiiiiii. Eine Hand sirrt durch den Dschungel. Trifft auf einen stehenden Zierteich, volles Rohr. Splashshshshshshshsh. Zoooooooooom. In Zeitlupe schießt die Fontäne auf, zerstiebt in Myriaden Tropfen, zu einer Glitzerwolke, die direkt vor unserer 3D-bebrillten Nase tanzt. Ein Naturschauspiel aus dem Computer, perfekte Simulation. Unwillkürlich fühlen wir nach, ob noch alles in trockenen Tüchern ist.
Und fragen uns, ob wir noch auf die Bühne des Barbican Theatre schauen oder schon Michel van der Aas virtuellem Zaubergarten verfallen sind – jenem mit modernster Film- und Digitaltechnik erzeugten traurigen Tropenparadies, das, so steht es im Libretto des Bestsellerautors David Mitchell, Körper und Seele des Menschen einsaugt und sein Gedächtnis löscht, bevor er als Mutant in einem Mottenschwarm endet. Nur so, berichtet eine Therapeutin namens Iris Marinus in zwischen c’ und fis’’ mäandernden forte-Tönen, könne die Schöpferin dieser «okkulten Maschine» für sich und ihre Parallelwelt ewiges Leben sichern. Doch sind wir der mysteriösen Queen dieses verwunschenen Cyber-Parks nicht gerade leibhaftig begegnet? Hatte der flüchtige Schatten, der den vertikalen Wasserspiegel aufwirbelte, ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Albrecht Thiemann
Natürlich drehte sich wieder alles um ihn. Um den Tenorissimo a. D., der auf seine alten Tage mit aller Macht ins Bariton-Fach drängt. Schon zu Beginn der Neunzigerjahre hatte Plácido Domingo zum ersten Mal tieferes Terrain erkundet – im Tonstudio, als Rossinis Figaro für die DG-Aufnahme des «Barbiere». Im November 2007 folgte an der Met Glucks Orest, zwei Jahre...
Anfang Mai vor zehn Jahren. Wie diesmal wieder tauchen die «Weißen Nächte» Sankt Petersburg in nicht enden wollendes, strahlend hartes Sonnenlichtblau. Das Mariinsky Theater unter seinem dynamischen Chef Valery Gergiev wuchtet den ersten russischen «Ring des Nibelungen» seit Menschengedenken auf seine marode Bühne. In der nahen Akademie der Künste, am anderen...
Wie lang eine Minute sein kann! Jedes der Ensemblemitglieder schaut uns sechzig
Sekunden lang wortlos an. Darsteller alle, aber ohne Rolle. Manche brechen in Lächeln aus, andere halten das Lächeln mühsam zurück. Einige genießen diesen Auftritt vor der Kamera, anderen scheint er ungewohnt, sogar peinlich. Zu erleben sind die Living Portraits in der «Cinebox» des...
