Ein wunderbares Missverständnis

Dass Richard Wagner sich intensiv mit Gluck beschäftigte, ist bekannt. Kaum noch bekannt ist seine Neuschöpfung der Gluck’schen «Iphigénie en Aulide». Christoph Spering hat diese Fassung erstmals komplett und erstmals mit dem Instrumentarium der Wagner-Zeit auf CD dokumentiert

Opernwelt - Logo

Herr Spering, wie sind Sie auf die Idee  gekommen, Wagners «Iphigenia»-Version aufzunehmen?
Ich stöbere schon immer sehr gern in Musikantiquariaten. Eines Tages stieß ich auf Noten, die mich sofort elektrisierten. Auf dem Deckblatt stand: Christoph Willibald Gluck, «Iphigenia in Aulis», in der Fassung von Richard Wagner. Beim Blättern stellte sich heraus, dass es sich um einen Klavierauszug von Hans von Bülow handelte. Mit der Wagner-Gluck-«Iphigenia» hat von Bülow für den Klavierauszug «geübt», den er später von Wagners «Tristan und Isolde» anfertigte.

Diese Zusammenhänge fand ich hochspannend. An eine Aufführung bzw. Aufnahme habe ich allerdings erst sehr viel später gedacht. Das Wagner-Jubiläumsjahr 2013 war dann für mich der Auslöser, die Sache ernsthaft anzugehen. Ich dachte, im Kontext eines solchen Jubiläums müsste es doch ein erhöhtes Interesse an Unbekanntem geben. Und ich hatte große Lust, dem ewigen Kreisen um den Wagner-Kanon etwas Neues entgegenzusetzen und Einblick in seine Kompositionswerkstatt zu bekommen.

Die deutsche «Iphigenia» wurde für die Dresdener Hofoper umgearbeitet und ist dort 1847 uraufgeführt worden. Mit einem von Wagner umgeschriebenen neuen Text. Ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Die Natur ruft

Nicht «drei Tenöre», sondern «fünf Countertenöre»! Beflügelt vom Erfolg der in dieser Hinsicht reich gesegneten Aufnahme von Leonardo Vincis «Artaserse» herrscht auf dem Plattenmarkt derzeit eine wahre Falsettisten-Schwemme. Was ja kein Grund zur Klage ist. Nachdem sich Philippe ­Jaroussky, Franco Fagioli und David Hansen mit Arien von Nicola Porpora, Leonardo Leo,...

Editorial Februar

Der Spielzeughersteller Lego beweist wieder einmal, dass er auf der Höhe der Zeit ist. Heute stellte das dänische Unternehmen eine [...] neue Serie vor. Unter dem Titel ‹Gescheiterte deutsche Großprojekte› können bald auch Kinder vergeblich versuchen, den Berliner Großflughafen BER, den unterirdischen Bahnhof Stuttgart 21 sowie die Hamburger Elbphilharmonie zu...

Kunst der Koloratur

Seit Richard Wagner in einem aus dem Geist der Polemik geschriebenen Aufsatz zwischen dem Virtuosen und dem Künstler unterschied, wird gesangliche Kunstfertigkeit mit «leerer» Kehlakrobatik gleichgesetzt. Lange Zeit konnte man eine Sängerin nicht vernichtender tadeln als dadurch, dass man sie als Virtuosa lobte. Zu den Sängerinnen, die in den Sechzigerjahren eine...