Lasst mich den Löwen auch spielen

Wer ist Stéphane Lissner, der neue Chef der Mailänder Scala?

Opernwelt - Logo

Wer Stéphane Lissner begegnet, in Aix-en-Provence, in Paris, in Wien, trifft ­einen eher zurückhaltenden, ruhigen Men­schen, der einen freundlich begrüßt. Wer sich allerdings die Liste der Positionen durchliest, die der 1953 in Paris geborene Lissner im Laufe der letzten dreißig Jahre besetzte und zu einem nicht unwesentlichen Teil noch besetzt hält, der muss hinter der äußeren Freundlichkeit einen ungewöhnlichen Ehrgeiz und einen starken Machtwillen vermuten.

Dass Lissner als Franzose jetzt auch noch zum Intendanten der krisengeschüttelten Mailänder Scala berufen worden ist, markiert vorerst die Spitze seiner Karriere.
Dabei hat Lissner seine Laufbahn wie ein gu­ter deutscher Intendant mit Ruhe und Bedacht aufgebaut: Zuerst gründete er 1972 das Théâtre Mécanique in Paris, dann wurde er Generalsekretär und an­schließend Co-Direktor der Theater in Aubervilliers und Niz­za. Von 1983 bis 1988 wirkte er als Produktionsassistent am Châtelet, von dem er mit vierunddreißig Jahren zum Direktor ernannt wird. Weil das Châtelet-Theater kein eigenes Orchester besitzt, befriedigte Liss­ner seine orchestralen Bedürfnisse mit der Übernahme der Betriebsdirektion beim Orchestre de Paris, das war ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: magazin, Seite 16
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tan Dun: Tea

Er weiß offenbar genau, mit welcher Marketing-Strategie man sich heutzutage gut verkauft: ein bisschen chinesische Tradition (aber eher in Form netter, leicht konsumierbarer Chinoiserien und Kantilenen voll von kitschnahem Wohllaut), dazu eine gute Prise avantgardistisch anmutender Geräusche, von plätscherndem Wasser über raschelnde Papierbahnen bis hin zu...

Poesie des Dreiecks

Das Berner Stadttheater zeigt nicht nur mehrere, sondern auch diametral entgegengesetzte Gesichter. Nach der an Peinlichkeiten reichen Produktion von Catalanis «La Wally» (OW 4/2005) in der Regie von Renata Scotto nun also Peter Eötvös’ Tschechow-Oper «Tri sestri» in einer schlichten, aber überaus luziden, eindrucksvollen Inszenierung.
Dass man mit diesem Werk ein...

Klassiker und Fundstücke aus den frühen Fünfzigern

Zwei Klassiker der Mono-Ära, die Decca- «Salomé» unter Clemens Krauss (1954) und «Hänsel und Gretel» unter Herbert von Karajan (EMI, 1953), wurden jetzt bei Naxos neu aufgelegt, auf der Grundlage der britischen Original-LPs von Mark Obert-Thorn restauriert. Krauss führt das Riesenorchester von Strauss zu kammermusikalischer Klarheit und Leichtigkeit, ohne der...