Wolkenkuckucksheim
In seiner Klage über das Fehlen von komischen Opern sagt Peter Cornelius, die Deutschen hätten zwar ihre Tragiker gehabt, aber ein Aristophanes sei noch nicht da gewesen. Es ist zweifelhaft, ob Walter Braunfels rund fünfzig Jahre später das auch von Friedrich Nietzsche herbeigesehnte aristophanische Gelächter im Sinn hatte, ob er also mit seiner Vertonung der «Vögel» nach dem Hauptwerk des griechischen Komödiendichters den Deutschen wirklich die Buffo-Oper schenken wollte.
Wohl eher ein Nachspiel zu den «Meistersingern», lernt Braunfels doch wie Walter von Stolzing von Fink und Meisen die Meisterweisen, kürt gar den Konrad Nachtigall zur Hauptfigur seiner Oper.
Während man sich in Deutschland und der Schweiz schon länger mit Braunfels-Ausgrabungen beschäftigt, hat das rührige Teatro Lirico von Cagliari nach Webers «Euryanthe», Marschners «Hans Heiling», Wagners «Feen» und Strauss’ «Ägyptischer Helena» nun als erstes Haus in Italien zu den «Vögeln» gegriffen und dem romantisch-fantastischen Stück um menschliche Hybris und die Notwendigkeit metaphysischer Versicherung zu erstaunlichem Erfolg verholfen. Man wird sich hier kaum Gedanken machen darüber, ob das «Liebwerte Freunde» des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Nichts dazu sage ich», sind die ersten Worte des Königs Arkel. «Ich weiß nicht, was ich sage... Ich weiß nicht, was ich weiß... Ich sage nicht mehr, was ich will...», spricht die sterbende Mélisande. Es ist eine geheimnisvolle Welt des Schweigens, eine archetypische Traumwelt symbolbefrachteter Räume, in der Debussys einzige vollendete Oper «Pélleas et Mélisande»...
Die Pressekonferenzen des derzeitigen Direktors der Wiener Staatsoper haben stets etwas von Kabarett. Ioan Holenders Kommentare zur österreichischen Kulturpolitik – etwa zum Ende März veröffentlichten neuen Kulturbudget – lassen an Schärfe nie zu wünschen übrig. «Zehn Millionen Mehrbedarf mindestens hat man ausgerechnet für alle drei Häuser, und jetzt sind es...
Drei wichtige Aufführungen von Korngolds «Toter Stadt» in jüngerer Zeit: Zürich 2003, Berlin 2004, Salzburg, ebenfalls 2004. Man kann das als Repertoire-Bestätigung für eine Oper werten, die nach ihrer als sensationell empfundenen Doppeluraufführung (1920) von neuer Sachlichkeit lange in die Ecke gedrückt wurde. Die bis heute kritisierte Hollywood-Karriere des...
