Millimetergenau
Das Gelsenkirchener Musiktheater im Revier feiert seinen 60. Geburtstag. Das Haus mit der atemraubenden, taufrischen Ästhetik – die transparenten Glasfoyers, die riesigen, tiefblauen Reliefs von Yves Klein – ist nicht nur eine Architektur-Ikone, sondern war eigentlich immer auch ein Ort der ambitionierten Dramaturgie. Wovon ja schon sein Name kündet, der bewusst den Titel «Oper» zugunsten des weitaus offeneren Begriffs «Musiktheater» vermeidet. So ist es auch kein Zufall, dass Intendant Michael Schulz für die Jubiläumsinszenierung Dietrich W. Hilsdorf eingeladen hat.
Hilsdorf absolvierte schließlich dort vor fast 40 Jahren mit Tschaikowskys «Eugen Onegin» seine ersten Schritte in der Opernregie. Der früher gern als Abonnentenschreck titulierte Regisseur bescherte dem Haus viele große Arbeiten, vor allem sein Mozart/Da-Ponte-Zyklus in den 1980er-Jahren ist Legende.
Im doppelten Sinne absichtsvoll hintersinnig ist das Sujet der «Geburtstagsoper» zu verstehen: Geht es in Leoš Janáčeks «Die Sache Makropulos» doch um das Phänomen des Alterns und den uralten Menschheitstraum der Unsterblichkeit. Hilsdorf und sein Team (Bühne: der langjährige Weggefährte Dieter Richter, Kostüme: Nicola ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Regine Müller
Christina Pluhar hat 2005 mit der Sopranistin Véronique Gens eine CD mit vokaler Kammermusik von Luigi Rossi (1597-1653) aufgenommen. Ein Rechtsstreit verhinderte damals das Erscheinen, nach dessen Beilegung die von Rossi begeisterte Pluhar sie jetzt um zwei weitere CDs mit Kantaten des diskografisch bislang nur unzureichend gewürdigten römischen Komponisten...
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Es gibt einen Solitär unter Mozarts Liedern: «Die Alte» – original in e-Moll, «Ein bischen durch die Nase» zu singen. Eine Parodie, wenn nicht Karikatur. Eine betagte Dame der besseren Gesellschaft stimmt das unverwüstliche Lamento an: wie gut doch alles früher war und wie schlimm die Gegenwart. Ein Gespenst, das auch in vielen kulturpessimistischen Tiraden...
