Trittfest, schwebend
Allem Verfallsgejammer zum Trotz – worin sich in den letzten Jahren besonders Thomas Quasthoff gefiel – ist das Lied in Deutschland vital geblieben. Den Tenor Daniel Behle kann man schon jetzt, im Jahr seines 40. Geburtstags, zu den Großen des Fachs zählen.
Seine Lied-CDs waren bislang vorzüglich; die Richard-Strauss-Platte von 2012 mit dem Pianisten Oliver Schnyder dürfte nur schwer zu übertreffen sein: Nicht nur wurde hier technisch makellos gesungen und gespielt; es entstanden in der subtilen Balance aus hoher Kultur und untergründiger Gewalt auch komplexe Porträts wilhelminischer Männerseelen.
In der «Schönen Magelone» op. 33 von Johannes Brahms, begleitet von Sveinung Bjelland, zeigt sich Behle nun erneut vorbildlich, wenn auch etwas zu unerschütterlich. Brahms’ Romanzen nach dem Ritterroman von Ludwig Tieck haben in Form und Ton einen Zug zur Oper. Sie ähneln den Konzertarien Beethovens und den Gesangsszenen Spohrs mehr als den Liedern Schuberts. Sie fordern den Sänger, weil er drei Personen zu vertreten hat – den Harfner, Prinz Peter und Prinzessin Sulima – und zudem von sich selbst aus der Perspektive eines Gegenübers, der Prinzessin Magelone, singen muss. Behle und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Jan Brachmann
«No hay caminos, hay que caminar» («Es gibt keine Wege, also geh») – hat Luigi Nono seine Raumklangkomposition für sieben Orchestergruppen betitelt. In Darmstadt hat der neue Intendant Karsten Wiegand das Werk an den Beginn seiner ersten Spielzeit gesetzt, als Prolog zu Claudio Monteverdis Oper «Il ritorno d’Ulisse in patria» – einer Aufführung, die programmatisch...
Zwei prominente Urteile über Richard Strauss gibt es, die widersprüchlicher kaum sein könnten. Er sei «ein so fabelhaft unraffinierter Mensch», meinte sein Librettist Hugo von Hofmannsthal 1909 über ihn in einem Brief an Harry Graf Kessler, und habe «eine fürchterliche Tendenz zum Trivialen, Kitschigen in sich». Gut zwei Jahrzehnte später schrieb der nächste...
Wotan ist in der Dessauer «Walküre» ein Hollywood-Tycoon, der in seiner Firmenzentrale hoch überm nächtlichen Lichtermeer von L. A. den Generationenwechsel vorbereitet. Tochter Brünnhilde aber, von ihrem Stühlchen aus erstmals Regie führend, merkt während der Todesverkündigung, dass die beiden Hauptdarsteller in dem Streifen, den ihr Vater nicht fertig kriegt,...
