Kitsch, Keifen, Keikobad

Warum sich die Hamburger Staatsoper an Strauss’ «Frau ohne Schatten» verhoben hat – Jürgen Kesting liefert die Diagnose

Opernwelt - Logo

Unter allen Opern, die Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal in Angriff genommen haben, ist «Die Frau ohne Schatten» die ehrgeizigste: Es ging um nicht weniger als den aus der Zeitpsyche zu begreifenden Ehrgeiz, mit der Übergipfelung der «Zauberflöte» existenzielle Fragen (Menschwerdung, soziale Verantwortung und Sorge um die Nachkommen) in einem hochstilisierten Kunstmärchen zu beantworten. Das Werk stellt mit der Kontrastierung eines «Elektra»-Orchesters und eines Kam­mer­ensembles ebenso wie bei der Besetzung der Hauptpartien höchste Ansprü­che.

Die Sänger der Uraufführung (immerhin Maria Jeritza und Karl ­Aagaard Oestvig, Richard Mayr und Lotte Lehmann sowie Lucie Weidt) taten sich so schwer, dass mehrere Aufführungen abgesagt werden mussten.
Es waren Ausnahmesänger wie Leonie Rysanek als Kaiserin, Christa Ludwig und Birgit Nilsson als Färberin, Jess Thomas/James King als Kaiser und Walter Berry als Barak, die dem Stück ab 1955 eine Verankerung im Repertoire ­sicher­ten: bei der Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper (1955), der Bayerischen Staatsoper (1963), beim Abschied Herbert von Karajans aus Wien (1964) und bei der Eröffnung der Metropolitan Opera im Lincoln Center ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Kesting

Vergriffen
Weitere Beiträge
Spaniens Blüten und ­andere Kostbarkeiten

Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blüh’n. Nicht nur als Sprachübung ist Iberien seit Langem auf der Musiktheaterbühne präsent, sondern in vielen anderen Facetten, als Schauplatz zahlloser Opernhandlungen von «Carmen» bis zu Udo Zimmermanns «Die wundersame Schustersfrau», durch zahlreiche renommierte Sänger von de los Angeles, Alvarez (Carlos und Marcelo),...

Eggert: Die Schnecke

Moritz Eggert, Wilhelm Killmeyers Meis­terschüler, greift gekonnt und zielsicher in die Farbkiste der Musikgeschichte und bedient sich im Fundus der Stile. Sein Sing- und Tanzspiel «Die Schnecke» hatte bereits 2004 in Mannheim für Furore gesorgt, obschon der eine oder die andere nach der Uraufführung gefordert hatte, den Komponisten samt Librettis­ten Hans...

Zum Mitsingen und ­Mittanzen

Was? Sie kennen Dvoráks «Král a Uhlír» nicht? – Kral-a-was? Nee. Muss man das kennen? Ein bisschen snobistisch ist es schon, wenn Orfeo auf dem Cover wie auf dem Besetzungszettel nur den tschechischen Titel eines Werkes nennt, von dem außerhalb Tschechiens kaum jemand je ge­hört haben dürfte. «Král a Uhlír» ist ganz simpel mit «König und Köhler» zu übersetzen, es...