Macht der Kopf alles kaputt?
Stephan Mösch: Herr Zehelein, vielen Dank für die vielen Einsichten und Ansichten. «Kommunikative Ästhetik» ist ein großes Wort. Ich möchte, um unsere Diskussion anzuschieben, die Gegenposition mobilisieren. Bei der Vorbereitung auf unser heutiges Gespräch ging mir ein Satz von Jean-Pierre Ponnelle nicht aus dem Sinn. Was wir heute von Ponnelles Ästhetik halten mögen, steht dabei nicht zur Diskussion.
Zur Diskussion steht aber ein Selbstverständnis, das dieser große Theatermann vielfach geäußert hat: Die Existenz eines Dramaturgen, sagte Ponnelle, besonders die Existenz eines Produktionsdramaturgen, sei die Bankrotterklärung des Regisseurs. Es ist klar, was er damit verbindet: Wenn ein Regisseur jemanden braucht, der ihm geistig zuarbeitet, dann fehlt es ihm entweder an Zeit oder an mentaler Kompetenz für seinen Beruf. Ich möchte in der ersten Fragerunde ganz schlicht und ganz pragmatisch vorgehen und gern wissen: Was schweißt die Teams, die wir eingeladen haben, aneinander? Wie gehen sie konkret an ihre Projekte heran? Was gibt der eine dem anderen? Vielleicht fangen wir an mit Stefan Herheim und Alexander Meier-Dörzenbach. Die beiden haben drei große Premieren vor sich: ...
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Zu Beginn eine persönliche Erinnerung. Es ist eine an den schönsten Bordellbesuch: eine Aufführung des «Rosenkavalier» in Wien anno 1961, mit Marianne Schech als Marschallin, Hilde Güden als Sophie und Christa Ludwig als Octavian. Noch heute spüre ich die erotischen Wonnen, die aus den ersten Phrasen des Octavian klangen: «Wie du warst.» Der Vergleich mit dem...
In den siebziger Jahren wurde Stefano Landis «Il Sant‘ Alessio» kurzzeitig der Vergessenheit entrissen. Bei den Salzburger Festspielen 1977 sah man eine pompöse Inszenierung August Everdings in den Bühnenbildern Jean-Pierre Ponnelles, die die eher schlichte Heiligenlegende theatralisch erschlug, zumal auch die musikalische Fassung von Hans Ludwig Hirsch sich...
Als Dylan Thomas‘ «Under the Milkwood» zunächst als Hörspiel erschien, erkannten fantasiebegabte Theaterleute sogleich auch die szenischen Qualitäten des umfangreichen Textes. «Unter dem Milchwald» gelangte in den fünfziger Jahren auch auf deutsche Bühnen. Die fließenden Bilder aus dem Leben eines kleinen Städtchens an der irischen Küste, der Heimat des Dichters,...
