«Ich bin ein singender Sprecher»
Er gehört zu jener Kategorie Sänger, die nicht nur etwas zu singen, sondern auch etwas zu sagen haben. Und so weitet sich das Gespräch, das wir anlässlich seines siebzigsten Geburtstages mit Siegmund Nimsgern vereinbart haben («Sie machen hoffentlich keinen dieser üblichen Nekrologe daraus»), von der Aufzählung von Daten schnell zu einem Diskurs über Musik, Literatur, Malerei, Philosophie und was sonst noch in den Bereich der schönen Künste fällt. Wofür das mit Büchern und Noten überreichlich angefüllte Haus in St.
Ingbert nahe Saarbrücken, in dem die Nimsgerns seit den sechziger Jahren wohnen, einen ebenso passenden wie stimmungsvollen Rahmen abgibt.
Die Namensgebung «Siegmund» habe sich an Wagners «Walküre» orientiert, eröffnet der gesangsbegeisterte und -begabte Vater dem am 14. Januar des Kriegsjahres 1940 in St. Wendel an der Saar geborenen Sohn schon früh, als er ihm in der Nachkriegszeit die 1936er Bayreuther Plattenaufnahme des Duetts Siegmund-Sieglinde aus dem ersten Akt mit Franz Völker und Maria Müller vorspielt, und noch oft muss der Sänger in seinem späteren Leben an dieses Omen denken. Am intensivsten wohl, als er selbst 1983 auf dem Hügel mit dem Wotan diejenige ...
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Barrie Kosky liebt das Tingeltangel, das Zirzensische, die Show. Und er spielt gern den Bühnenzauberer. Zu Saisonbeginn schickte er an der Komischen Oper Berlin Verdis «Rigoletto» in einen Affenzirkus und riskierte vor lauter Taschenspielertricks, dass statt einer neuen Verdi-Sicht oder zumindest eines Kaninchens bisweilen nur ein falscher Hase aus dem Zylinder...
So recht hat das Publikum des deutschen Nationaltheaters vermutlich noch immer nicht begriffen, was für eine Sensation es in den letzten Jahren miterleben durfte. Zwar verrät die Biografie im Beiheft der neuen Weimarer «Rigoletto»-Produktion, dass der Titelheld der Aufführung diese Rolle inzwischen auch an der Met, in Los Angeles und in Wien singt oder singen wird...
Der Kontrast könnte größer nicht sein. Als Aribert Reimanns «Lear» 1983 zum ersten Mal an der Komischen Oper gespielt wurde, in Ostberlin, inszeniert von Harry Kupfer, dirigiert von Hartmut Haenchen, bestand die Bühne aus Morast und Beton. Lears verruchter Machtstaat und die entmenschlichten Menschen an seiner Spitze, das alles wurde drastisch und konkret...
