Unterwegs zu Wagner
Ein Nein, ein Ja – welch ein Wechselbad für die Aficionados. Die Norma, ursprünglich im Herbst an Londons Royal Opera House geplant, liege inzwischen außerhalb ihrer Möglichkeiten, gab Anna Netrebko unlängst bekannt. Um gleichzeitig in sechswöchiger Vorbereitungszeit den für sie (fast) unbekannten Wagner-Kontinent zu erkunden. Im weißen Kleid der Jungfrau von Brabant haben den schon andere Kolleginnen betreten.
Doch als nach dem zweiten Aufzug der rote Vorhang der Semperoper zusammenbauscht und die Gala-Gemeinde einen Showdown zweier Platzfrauen hinter sich hat, ist man sich nicht mehr so sicher: Ob die Netrebko – die Lady Macbeth hat sie schließlich im Repertoire – uns in ein paar Jahren als Ortrud begegnet?
Alles, was sonst in dieser Saison (nicht nur) in Dresden gestemmt wird, hat diese Serie in den Schatten gestellt. Keine Premiere, «nur» eine «Lohengrin»-Wiederaufnahme, und dann auch noch als Reanimation einer 36 Jahre alten Inszenierung von Christine Mielitz, wo die Gotik in Plaste-Holz-Schick aufragt und die Szenerie in ockerfarbenem Firnislicht leuchtet. Auch das eine Ansage: Nicht der neue Streich der Bieitos, Herheims und Loys interessierte die weltweit um Karten ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Markus Thiel
Oper? Natürlich nicht oder doch nur ein wenig. Szenisches Konzert? Eine Spur auch davon. Themenabend mit Musik? Schon eher. Indes, «Musik- und Tanztheater» nennen der deutsche Schauspielregisseur Sebastian Nübling und der belgische Choreograf Ives Thuwis ihr nicht ganz zweistündiges Basler Programm.
Eine «Méditation sur ma mort future» kündigt die Leuchtschrift...
Alle 42 Opern auf einen Schlag? Das muss eine Ente sein. Ist es aber nicht. «Wir haben das wirklich vor», sagt Tobias Wolff nach der Dernière des «Imeneo», mit der am Pfingstmontag die diesjährigen Göttinger Händel-Festspiele zu Ende gingen. In vier Jahren hofft der seit 2012 amtierende Intendant, den Marathon präsentieren zu können, zum 100. Geburtstag des 1920...
Schon merkwürdig, wie routiniert, beinahe ungerührt die Musiker des Wuppertaler Sinfonieorchesters Lulu exekutieren. Der berstende Akkord, mit dem Berg ihr grausames Ende markiert, das zu einem schreienden Memento geschichtete Vertikalbild der Zwölftonreihe, die seiner Wedekind-Oper zugrunde liegt, kommt so verhalten, so beiläufig, als sei nichts passiert....
