Ewig währt am Längsten

Bach: O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit Chur / Theater

Opernwelt - Logo

Peter Konwitschny ist mit Johann Sebastian Bach groß geworden. Weil sein Vater Franz von 1949 bis 1962 Gewandhauskapellmeister war, wuchs er in der Bach-Stadt Leipzig auf. Viel später, an der Oper, wo er von 2008 bis 2011 Chefregisseur war, begann er, sich die Kantaten vorzunehmen: «Ich habe genug» war 2009 die erste, 2010 folgte «O Ewigkeit, du Donnerwort» (BWV 60 von 1723), schließlich 2011 «Selig ist der Mann».

Auch in Chur kennt man Konwitschny und seinen Umgang mit Bach.

2010 hatte Intendantin Ute Haferburg ihn für «Pierrot hat genug» in die Hauptstadt des Schweizer Kantons Graubünden geholt, für einen Abend, der die Kantate «Ich habe genug» mit Schönbergs «Pierrot lunaire» und Nonos «Fabbrica illuminata» kombiniert.

Diesmal hat Konwitschny die beiden Kantaten «Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben» und «O Ewigkeit, du Donnerwort» (BWV 20 von 1724) unter dem Titel «O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit» zum Anlass einer szenischen Reflexion genommen. Die religiöse Botschaft der Werke nimmt er ernst, aber nicht wörtlich: Er entzieht sie der Kirche und führt sie der Welt zu. Vor der Aufführung sprach Konwitschny davon, dass man Gott nicht beweisen könne, dass aber klar sei, dass wir ihn ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Sigfried Schibli

Weitere Beiträge
Nachtstück

 

Es ist nicht so schlimm wie beim «Troubadour». Aber auch Verdis «Simon Boccanegra» erfordert einige Übersicht. Dass Liebe, Intrigen und Missverständnisse in ferner Vergangenheit wurzeln, wird den Figuren zum Verhängnis: Alle schauen wehmütig bis wütend zurück, anstatt sich um die Gestaltung der eigenen und der politischen Zukunft zu kümmern. Ganz besonders heikel...

Zum Raum wird hier der Klang

Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» markieren eine kopernikanische Wende in der Operngeschichte. Die dort erstmals verwirklichte Vorstellung von der Kugel­gestalt, «zu der sich die Zeit biegt» – in Zimmermanns Worten «der Gedanke von der Einheit der Zeit als Einheit von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft» –, hat das Musiktheater nachhaltig verändert. Das...

Aus einem Totenhaus

Niederösterreich» heißt es im Text, auch der Name Natascha kommt vor (die mörderische  Mutter der Protagonistin wird so genannt). Das könnte ein Indiz für Aktualitätssucht sein. Doch Georg Friedrich Haas und sein Librettist Händl Klaus beteuern, «Bluthaus», 2011 in Schwetzingen uraufgeführt (siehe OW 6/2011), dessen erweiterte Neufassung nun erstmals bei den Wiener...