Blick nach vorn und zurück
Mit Theaterintellektuellen redet man gemeinhin über Inszenierungskonzepte, nicht über historische Aufnahmen. Doch in Schweden, beim Stockholmer Chefdramaturgen Stefan Johansson, ist das ein bisschen anders. Wenn Johansson auf den am Königlichen Opernhaus jüngst vollendeten «Ring des Nibelungen» zu sprechen kommt, geht es erst einmal um klangliche Kontinuitäten in dem 1898 erbauten Haus, um alte schwedische Wagner-Sänger, um die historischen Interpretationen bestimmter «Ring»-Partien – kurz: um eine große Tradition.
Und um eine lange: Die erste Berührung der Stockholmer mit Wagners Werk geht auf die Gastspiele Josef Tichatscheks zurück, des Wagner-Freundes aus Dresdner Tagen, der gegen Ende seiner Karriere in den 1870er Jahren in der schwedischen Hauptstadt als Rienzi auftrat. Als Begründer eines spezifisch schwedischen Zugangs zu Wagner kann der Bassist Johannes Elmblad gelten, der auch im Bayreuth Cosima Wagners als Fafner lange Jahre unentbehrlich war. Bevor er der Regisseur der ersten New Yorker «Ring»-Aufführung wurde, stieß er 1904 mit dem «Rheingold» auch die erste schwedische Produktion der Tetralogie an.
Was folgte, war nicht gerade die Avantgarde weltweiter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sechs modellhafte Versuche, die Gattung Oper nach dem Verstummen Wagners und Verdis ins 20. Jahrhundert hinüberzuretten, sind in sechs modellhaften Produktionen zu besichtigen, die im zurückliegenden Jahr erstmals auf DVD herausgekommen sind. «Modellhaft» bezeichnet dabei einen Interpretationsansatz, der genaue Werkkenntnis mit szenischer Fantasie verbindet, ohne...
Im oberfränkischen Coburg sind zum Jahresbeginn die Wellen hochgeschlagen, weil die Stadt den Vertrag des Theaterintendanten Dieter Gackstetter fristlos gekündigt hat. Wer angesichts dieser dramatischen Zuspitzung Seegang auf der Bühne erwartete, sah sich bei der Doppelpremiere zweier amerikanischer Musiktheaterstücke – André Previns «A Streetcar Named Desire»...
153 Jahre moderte Charles Gounods zweite, 1854 uraufgeführte Oper «La nonne sanglante» («Die blutige Nonne») in den Archiven, ehe sie jetzt in Osnabrück der Vergessenheit entrissen wurde. Seinerzeit hatte der neue Direktor der Pariser Opéra das von seinem Vorgänger in Auftrag gegebene Werk abgesetzt, weil es durch die Verquickung von Elementen des Schauerdramas mit...
