Sängerparade
Kasan, die Hauptstadt der Tatarischen Republik, ist heute eine offene, grundsätzlich zweisprachige Metropole. Die Zeiten gewalttätiger Russifizierung unter Iwan dem Schrecklichen oder interkonfessioneller Kämpfe scheinen vergessen. Die im Kasaner Kreml neu errichtete Moschee Kul-Scharif mit acht Minaretten leuchtet mit Würde, strahlt metropolitanen Luxus aus. Die von den Bolschewiken verachtete Verkündigungskathedrale wurde mit so viel Großzügigkeit und Geschmack restauriert, wie man ihn selbst in Moskau nur selten findet.
Das Opernhaus befindet sich auf dem Platz der Freiheit und ist Teil eines architektonisch gut geformten Ensembles.
Das zweiwöchige Schaljapin-Festival fand kürzlich zum 29. Mal statt. Raufal Muchametsjanow, der Intendant des Hauses, Motor und Seele der Festspiele, ist ein effizienter Manager. Keine festen Verträge für Hauptdarsteller, sondern jede Saison neue Castings; Spitzensänger, auch aus dem Ausland; eine Verringerung der Aufführungen auf zehn bis zwölf pro Monat: Das alles steigerte die Auslastung auf 95 Prozent. Teilweise monatelange Gastspiele mit Klassikerhits in Holland und anderswo brachten zusätzliche Einnahmen.
Was die Kunst betrifft, sieht es an der ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Alexej Parin
Um Heinrich Sutermeister (1910-1996) ist es still geworden. Dabei war der Schweizer in den 40er, 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein bekannter Komponist, dessen Oper «Romeo und Julia» (uraufgeführt 1940 unter Karl Böhm in Dresden, mit Maria Cebotari und alternierend Christel Goltz in der weiblichen Titelrolle) damals über zahlreiche Bühnen ging, und...
Normalerweise stehen Nachrufe im Magazin-Teil der «Opernwelt». Wenn sie auf Seite 1 auftauchen, hat das Gründe. So wie jetzt, wo wir an Claus Helmut Drese und Wolfram Schwinger erinnern: zwei Opernchefs von Format, die wenige Tage hintereinander im Februar 2011 gestorben sind; zwei Integrationsfiguren, die ihren Häusern neues Profil gaben, ohne sich dabei in den...
Über ihre darstellerische Identifikation mit der Rolle lässt sich nichts sagen. Wohl aber etwas über ihre sängerische. Anja Harteros gab ihr Rollendebüt als Leonora in Verdis «Trovatore», steckte aber nicht im Kostüm. Denn die Kölner Oper hat das Werk konzertant angesetzt, nicht im Stammhaus, sondern in der nahe gelegenen Philharmonie, die rechtzeitig als eine von...
