Gott sei Dank
Noli me tangere – rührt mich nicht an, scheint der schlanke Mann an der Bühnenrampe uns anzuflehen. Wohin mit den Händen, den Füßen, dem Blick? Hilflos, verspannt steht er da, als der Applaus aufbrandet, für ihn. Blinzelt scheu ins Gegenlicht, lugt verstohlen in den Graben, will unterschlüpfen bei den Choristen. Mark Andre wäre in diesem Moment wohl am liebsten im Boden versunken, ins Untergeschoss jener hyperrealen, surrealen Transitsphäre entwichen, die Anna Viebrock für die Uraufführung seiner «wunderzaichen» an der Stuttgarter Staatsoper gebaut hat.
Hätte sich wohl am liebsten in Luft aufgelöst, wie die Töne der flüsternden Bläser und der zischelnden Stimmen in dem unerhörten Stück, das gerade auf einer Art Himmelsleiter, auf zarten, zerbrechlichen Quinten-Sprossen ins «Unendliche» verhallt ist. Aber es gibt kein Entrinnen, immer wieder fangen Jossi Wieler, Sergio Morabito und Sylvain Cambreling, die Geburtshelfer dieses «metaphysischen Abenteuers», den Komponisten ein, schieben ihn nach vorn, nehmen ihn in die Mitte, auf dass er die Anerkennung spüre, die seiner ersten «Oper» nach der Premiere zuteil wird.
Sieben Jahre, von 2008 bis 2014, hat Mark Andre an den vier Stationen ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Albrecht Thiemann
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