Wer bin ich?
Eine junge Frau tappt durchs Dunkel. Kurz sehen wir ihr Gesicht, ihre nackten Füße, im Staccato einer flackernden Taschenlampe. Dann verschwindet sie. Leuchtet wieder auf, wie eine Ikone. Verschwindet wieder. Nur wenn die Frau den handbetriebenen Dynamo in Gang setzt, wird es Licht. Ratsch macht es dann und ratsch und ratsch, immer schneller. Darüber schwebt ihre Stimme, klammert sich an einen einzigen hohen Ton. Eine Stimme, die nicht weiß, wer sie ist und wer sie hört; die mit sich selbst spricht, um zu spüren, was das ist: ICH.
Ausgesetzt in einem imaginären Resonanzraum, der jeden Klang, jedes Geräusch aufsaugt und zurückspielt – mal ausgedünnt, gespalten, mal vervielfacht, vergrößert. Woher kommt diese Frau? Wo lebt sie? Wohin will sie? Wir erfahren es nicht.
Auch nicht, als sie einen Dialog mit ihrem gefilmten Spiegelbild beginnt, ein Duett mit dem Alter Ego hinten auf der Leinwand. Ihr Live-Gesang verschmilzt mit dem Soundtrack, die physische mit der Video-Figur. «One» hat der niederländische Komponist Michel van der Aa sein erstes, kaum eine Stunde langes Bühnenwerk genannt. Das kann man nur ironisch verstehen. Denn sein Lebensthema ist die gefährdete, gebrochene, ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Bücher, Seite 20
von Albrecht Thiemann
Als Verdi das Attentat auf den schwedischen König Gustav III. aufgriff, hatte er die politische Sprengkraft eines Königsmords auf offener Bühne unterschätzt. Prompt lehnte die Zensur das Werk ab und bestand auf der Entschärfung des Librettos. So musste die Handlung notgedrungen ins nordamerikanische Boston verlegt werden, denn die Ermordung eines Gouverneurs im...
Mit seiner randvollen Recital-CD «Czech Opera Rarities» legt Ivan Kusnjer eine wahrhaft herzerfreuende Anthologie mit Arien und Szenen von vierzehn hierzulande meist nicht einmal dem Namen nach bekannten Werken und Komponisten zwischen 1776 und 1958 in chronologischer Reihenfolge vor (acht davon in Erstveröffentlichung). Die Aufnahmen des 1951 geborenen sogenannten...
Elisabetta, Mimì, Desdemona – alles melancholisch umflorte Damen. Fühlen Sie sich manchmal nur einseitig gefordert? Würden Sie gern mal richtig komisch sein?
Die stimmlichen Voraussetzungen lenken einen ja in eine gewisse Richtung. Gut, die «Idomeneo»-Elettra ist nicht so umflort. Auch Mozarts Gräfin hat Witz. Aber mir machen all diese melancholischen Rollen Spaß....
