Wagner: Tristan und Isolde
Das gibt es nicht alle Tage: ein «Tristan», der – bildreich und spannend inszeniert – wie in einem einzigen Augenblick vorüberzuziehen scheint. Ein großartiger Erfolg am Mariinsky Theater. Regisseur und Bühnenbildner Dmitri Tcherniakov erzählt die Geschichte, als betrachteten wir einen Bergman-Film. Treffsicher umreißt er psychologische Motivation, modelliert die Handlungspielräume in einem polierten, designerhaften Umfeld.
Der erste Akt spielt in der Kajüte eines modernen Kriegsschiffes, in der die Navigationscomputer neben den Koffern und Kosmetiktaschen der Passagierinnen Isolde und Brangäne stehen. Es geht um den Übergang der handelnden Personen in die «andere», grenzenlose Welt der Liebe. Als Liebestrank erweist sich einfaches Wasser, die Bühne versinkt in Dunkelheit, Lichtstrahlen schneiden die in Ekstase stöhnenden Figuren von Tristan und Isolde heraus. Das Duett des zweiten Aktes findet in einem Hightech-Hotelzimmer statt, ein riesiges Fenster gibt den Blick auf eine nächtliche Megalopolis frei. Die szenische Spannung erreicht ihren Höhepunkt im Finale der Liebesszene: Als für Tristan und Isolde die Welt zu existieren aufhört, birst auch die Theaterrealität – die Stadt ...
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