Glücksverzicht, Kunstgewinn
Zunächst sieht es so aus, als sei Anthony Pilavachis neueste Wagner-Inszenierung ganz und gar aus dem Dekorativen erwachsen; Tatjana Ivschinas Bühnenbild, ein feudaler großbürgerlicher Spätbiedermeier-Salon, fügt sich geradezu ideal in den Jugendstil-Rahmen des Lübecker Bühnenportals. Ein optischer Genuss. Dann aber bemerkt man, dass der Regisseur, ohne die Historie direkt nachzubilden, einzelne Parallelen sucht zwischen dem Werk und seiner Entstehung.
Stammt der Salon womöglich aus der Villa Wesendonck? Und Tristan und Isolde – tragen sie nicht Züge des Komponisten und seiner verehrten Mathilde? Ganz abgesehen von dem Konflikt, in den die beiden damals Mathildes Gatten stürzten: Er ähnelt dem des König Marke in seiner menschlichen Tragik.
Als Subtext sind diese Anspielungen in den Bildern der Inszenierung immer gegenwärtig, ohne dass sie aufdringlich in den Vordergrund gerückt werden. Zur Schlüsselszene wird das große Liebesduett im zweiten Akt: Während des Gesangs notiert Tristan/Wagner den Fortgang des musikalischen Geschehens auf einem Notenblatt, während ihm Isolde/Mathilde bisweilen «den Text» diktiert.
Im dritten Akt gelingt dem Regisseur eine plausible, poesievolle ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhart Asche
Das Wunder bleibt aus. Kein Blitz entzündet – wie vom Librettisten Victor-Joseph Etienne de Jouy vorgesehen – am Ende Julias Schleier, um die heilige Flamme wieder zu entfachen. Bei Regisseur Eric Lacascade kommt das magische Licht in «La vestale» ganz profan zurück: Auf Wink der Oberpriesterin greift eine Vestalin zu einer Dekoleuchte. Der Pontifex maximus und...
Anhaltisches Theater Dessau bleibt», steht auf einem großen Transparent am Portal des monumentalen Hauses, das der «Führer» einst der Stadt geschenkt hat. Oje, denkt man, wenn Berliner Hausbesetzer die Parole ausgegeben, dass irgendetwas «bleibt» – dann steht die Räumung meist unmittelbar vor der Tür. Zum Glück folgt auf dem Dessauer Transparent der Zusatz: «… was...
Einst wurden im Musikunterricht die «deutschen Nationalopern» vermittelt: «Zauberflöte», «Fidelio», «Freischütz», «Meistersinger». Gemeinsam ist ihnen die alles entscheidende Prüfung, Bewährung, Probeschuss und -singen. Zudem sind sie, mit Ausnahme Wagners, «Singspiele»: Das gesprochene Wort gilt. Als Opern-Kanon-Gepäck des Bildungsbürgers hatte das Gewicht. Doch...
