Vexierbilder
Wenn es eines Beweises bedurfte, dass das Bühnenbild die Regie beherrschen oder sogar depotenzieren kann, so hätte die neue Hamburger «Aida» diesen Beweis erbracht. Johannes Leiacker, in Hamburg bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Peter Konwitschny («Don Carlos», «Die Meistersinger» und «Moses und Aron»), situiert das Geschehen in einen klinisch-kalten, ständig sich verändernden Raum, der mit seinen Hell-Dunkel-Kontrasten an die Vexierkünste der Op-Art erinnert.
Auf suggestive Weise entsteht aus dem Einheitsraum ein szenisches Panorama, in das geheimnisvolle Chiffren und Zeichen projiziert werden. Optischer Fixpunkt ist ein Bett, in dem Aida und Radamès offenbar eine Liebesnacht verbracht haben, bevor es zur Arena für den Liebeskampf zwischen Aida und Amneris wird und zur Chiffre für den Widerstreit von Macht und Sex und Herrschaft. Faszinierend das Schlussbild: ein perspektivisch ins Endlose reichender Tunnel, in dem nicht nur die Liebenden durch Gift aus einer Phiole sterben, sondern auch Amneris – ein beklemmendes Todesbild.
Guy Joosten gehört zu den Regisseuren, die im Übermaß das anbieten, wovon Fritz Kortner verschont bleiben wollte: Einfälle. Seit der Frankfurter ...
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