Visionär
Dass an Finanzbeamten auch Gutes sein kann, suggeriert schon das Neue Testament. Denn «Zöllner» Zachäus, ein die Juden im Namen Roms ausblutender Steuereintreiber, erlebt nach Lukas 19, 1-10 seine Metanoia und verschenkt die Hälfte des Besitzes an die Armen.
Und auch der Pariser Steuerpächter Le Riche de La Pouplinière übte Wohltätigkeit: Zwar gab er nicht gleich sein halbes Vermögen an Minderbemittelte, doch weil seine Gattin Thérèse ihr Herz im Takte der Musik von Jean-Philippe Rameau schlagen ließ, förderte er den wenig begüterten Komponisten, nahm ihn in sein Haus auf und stellte ihm sein Privattheater zur Verfügung. Weswegen Rameau sich im relativ vorgerückten Alter an neue Projekte setzen konnte. 50 war er, als er 1733 seine erste Oper schuf, «Castor et Pollux». Mit «Les Indes Galantes« führte er zwei Jahre später die von André Campra begründete Gattung der Ballettoper erfolgreich weiter.
Die visionäre Qualität von Rameaus Musik, auf die bereits Nikolaus Harnoncourt nimmermüde hinwies (für ihn war der Franzose Wegbereiter für Haydn und Mozart), ist heute unbestritten. Auch Ivor Bolton, musikalischer Cicerone bei «Les Indes galantes» an der Bayerischen Staatsoper, weiß das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
Es ist anzunehmen, dass Rolando Villazón Goethes «Zauberlehrling» kennt, schließlich ist er ein kluger Mann. Somit dürfte ihm auch jener Satz vertraut sein, mit dem der traurige Titelheld das Unheil in nässenden Gang setzt: «Und nun komm, du alter Besen! / Nimm die schlechten Lumpenhüllen; bist schon lange Knecht gewesen: Nun erfülle meinen Willen!» Mit ein...
Versunken sitzt er da. Die Schultern eingezogen. Die Arme auf dem provisorischen Schreibtisch ausgebreitet. Tief gebeugt über das unvollendete Werk. Als laste alles Unrecht unter der Sonne auf ihm. Als drücke der Erdenkreis ihn nieder, um dessen schreiend zartes, wimmernd wunderbares Klangbild er hier, in der Stille der römischen Villa Massimo, kämpft. Ein...
Seit 1959 werden in den Vereinigten Staaten jedes Jahr die Grammy Awards verliehen. Und alle Jahre wieder ertönt zum großen Finale die Sage von den Musik-Oscars für das Beste aus Rock und Pop, Jazz und Klassik. Eine goldglänzende Grammophon-Trophäe der National Academy of Recording Arts and Sciences gilt vielen als höchster Qualitätsausweis, den professionelle...
