Die leeren Stühle

Die Wiener Philharmoniker haben ihre NS-Vergangenheit von einer Historikerkommission aufarbeiten lassen

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Am 12. März 1938 marschierten deutsche Wehrmachts-, SS- und Polizeieinheiten in Österreich ein und sorgten für den sogenannten «Anschluss». So unvorbereitet, wie man nachher im Sinne der «Opferlegende» tat, war man freilich nicht, auch nicht bei den Wiener Philharmonikern: Beinahe ein Drittel war schon vor 1938 der illegalen NSDAP oder parteinahen Organisationen beigetreten, etwa fünfzig Prozent waren es bis 1945 (bei den Berliner Kollegen nicht mal zwanzig). Lange blieben die Dokumente aus dieser Zeit der Öffentlichkeit verschlossen.

Zwar suchte Orchestervorstand Clemens Hellsberg dies in seinem Buch «Demokratie der Könige» (1992) zu unterlaufen, doch habe er, kritisierte der Historiker Oliver Rathkolb, «die Namen nicht ausgesprochen; es sind, was Exilanten, Ermordete betrifft, höchst kursorische Referenzen». Nun beauftragte Hellsberg eine unabhängige Historikergruppe unter der Leitung von Rathkolb, das seit 2011 zusammengetragene Material über die NS-Opfer aus dem Verband des Orchesters (zwei wurden ermordet, fünf kamen bei ihrer Verfolgung oder im KZ um, neun wurden vertrieben, elf als «Halbjuden» stigmatisiert) sowie über die NSDAP-Mitglieder unter den Musikern aufzubereiten. ...

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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Gerhard Persché

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