Meta-Oper
Jacques Offenbachs einzige Oper hat es in sich: Obwohl Freud noch längst nicht in Sicht war, drängen sich angesichts der an Traumsequenzen erinnernden Handlung psychoanalytische Deutungsmuster auf. Drei bizarre Liebesgeschichten erzählt der dauertrunkene Dichter Hoffmann – für den E. T. A. Hoffmann Pate stand – seinen Saufkumpanen im Laufe einer durchzechten Nacht. Leblose Puppe, Künstlerseelchen mit Hang zur Tragödie und venezianische Hure: Hinter Hoffmanns Objektwahl verbergen sich die Antagonismen männlichen Begehrens.
Man kann Offenbachs Torso, von dem es bis heute keine definierte Gestalt gibt, aber auch als eine Art Meta-Oper lesen, als eine Reflexion über Kreativität, Inspiration und Kunstwillen. Letzteren Weg hat die scheidende Bielefelder Operndirektorin Helen Malkowsky gewählt und die drei Episoden auf ungemein einleuchtende Weise miteinander verflochten. Saskia Wunsch hat dazu die Drehbühne mit durch Gänge, Treppen und Türen verbundenen Räumen bestückt, die jeweils die Hauptspielorte der einzelnen Episoden markieren und fließende Übergänge und Ortswechsel ermöglichen. Der Prolog-Akt beginnt in einer Theaterkantine, in der eine Autorenlesung von Hoffmanns neuestem, aber ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Regine Müller
Irgendwann hatte man in Rom von den Opernscharmützeln im fernen Süden offenbar genug. Am 4. Dezember 2012 griff der italienische Kulturminister Lorenzo Ornaghi durch und ernannte Fabio Carapezza Guttuso, einen hohen Staatsbeamten und Präfekten, zugleich Adoptivsohn des verstorbenen Malers Renato Guttuso, für zunächst sechs Monate zum kommissarischen...
Sie kam, sang, siegte. Und vor allem: Es wirkte so, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Stimmt ja auch in gewisser Hinsicht: Ingeborg Schöpf singt seit 14 Jahren Operette in Dresden. Nur dass diesmal 1,8 Millionen Fernsehzuschauer dabei waren. Und dass das Ganze nicht an ihrem Stammhaus, der Staatsoperette, stattfand, sondern in der Semperoper. Der Anruf kam...
Gerötete Gesichter, glasige Blicke – fast ist man überrascht, in der Pause nicht jedermanns Haar steil nach hinten geföhnt zu sehen vom Sturm der Töne. Operndirektor Jan Michael Horstmann lässt aus dem Graben die Zirkusmusik von Wagners «Jugendsünde» schrillen, fröhlich kräht dazu der Chor, monströse Brüllarien ziehen vorüber: In der «großen komischen Oper» Das...
