Brillant verfehlt
Hm. So sieht also das «Elysium» aus. Hätte man sich luftiger, seraphischer vorgestellt, in etwa so, wie es Wilhelm Heinse in seinem Roman «Die Insel der Glückseligen» geschildert hat, als einen Ort bacchantischer Verschlingungen. Über die leere Bühne von Rebecca Ringst jedoch, die bereits in den ersten beiden Akten aus nichts als einer kühlweißen, ziemlich weit nach vorn gerückten Wand bestand, tuckert nun eine überdimensionierte Kindereisenbahn mit toten Mädchen und Jungen darin, dreht einige Runden und verschwindet wieder in den Kulissen.
Vom Schnürboden fahren riesige Puppen herab, aus den Kulissen dringt Dampf. Vollkommenes Glück sieht anders aus.
Und nicht zum ersten Mal in diesen knapp drei Stunden theatraler Psychoanalyse aus dem Geiste Otto Weiningers und Sigmund Freuds (und manch anderer Koryphäe auf dem Gebiete der Seelenerkundung) reibt man sich die Augen. Fast scheint es, als habe sich Calixto Bieito dazu entschlossen, den Advocatus Diaboli zu spielen und nicht nur mit sämtlichen Klischees aufzuräumen, die über das Fin de Siècle kursieren, sondern dazu noch den Geist jener «Welt von gestern» auszublenden, in der Franz Schreker seine Oper «Die Gezeichneten» auf ein ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Jürgen Otten
Zürich präsentiert die Uraufführung der Lenau-Oper «Lunea» von Heinz Holliger. Das Werk wird den klassizistischen Hauptstrom der Schweizer Musik vermutlich meiden. Und eine kleine Schar mehr oder weniger konservativer Avantgardisten erreichen. Ist Rettung in Hörweite? Schwer zu sagen. Selbst Arthur Honegger, Othmar Schoeck und Frank Martin, dessen Musikdrama «Der...
Es ist nur ein Bild: ein Cover. Aber man würde sich Sorgen machen, wüsste man nicht, dass Bilder verführen sollen. Dieses Bild, es schmückt die neue Aufnahme von Sonya Yoncheva mit Arien aus acht Verdi-Opern, ist mehr als Verführung. Es ist ein Zeichen. Weißwangig-ausgehöhlt, beinahe schwindsüchtig blickt uns die bulgarische Sopranistin an, wie eine Schwester...
Wo Musik ist, muss ein Dämon sein», bemerkte der New Yorker Geiger Herman Martonne einmal über Mahler. Er hatte dabei weniger den Komponisten als den Dirigenten im Sinn. Einen Dämon, der, nicht nur in Tempofragen, allein dem eigenen inneren Kompass vertraute. Einem Instinkt freilich, der, historisch informiert, auf die unerhörte Vergegenwärtigung des Vergangenen...
