Zweierbeziehungen

Sebastian Weigle und Vera Nemirova erreichen souverän das dritte Etappenziel ihrer Frankfurter «Ring»-Erzählung

Opernwelt - Logo

Acht Personen, die niemals zusammen auf der Bühne stehen: für ein chorloses fünfstündiges Werk bedeutet das durchaus die Konstellation einer Kammeroper, wenngleich das Getöse der Schmiedelieder und das Schluss­duett diesen Aspekt konterkarieren und mit den Schicksalswettern der dritten Orchester­einleitung gleichsam die «Götterdämmerung» ernstlich-eschatologisch anhebt. Es war, als stellte der Frankfurter GMD und «Siegfried»-Dirigent Sebastian Weigle die zwölfjährige Schaffenspause und die Ambivalenzen dieser «Ring»-Station in den Mittelpunkt seiner Interpretation.

Die Naturklänge, die Märchentöne der ersten beiden Akte blühten farbenfroh oder in lyrischer Versunkenheit auf, und die Bedächtigkeit des Vortrags tendierte manchmal (etwa, wenn die solistische Basstuba beteiligt war) geradezu zum senza tempo. Drastisch-groteske Anschärfungen wurden wirkungsvoll kontrastierend danebengesetzt, ohne dass jemals forcierte Dramatik evoziert worden wäre. Unterm Strich ergaben sich bedeutende Aktlängen sowie viele sonst vom Gesamtsog verschlungene Einzelheiten, die nun deutlich ausgespielt, sogar herauspräpariert erschienen. Und dennoch niemals Motivpaukerei, sondern ein breit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Hans-Klaus Jungheinrich

Weitere Beiträge
Leben auf der Baustelle

Die erste Episode der großen Gala zur Wiedereröffnung des sanierten Bolschoi Theaters ließ Regisseur Dmitri Tcherniakov im Hier und Heute spielen. Kein Ton aus dem Orchester, kein Mucks aus den Kehlen der Sängerprominenz, stattdessen der Lärm von Baumaschinen und das Getrappel von rund hundert «Bauarbeitern». Erst als die plötzlich den Slawsja-Chor aus Glinkas «Ein...

Sängerfest

Zuallererst war es eine Sternstunde des Belcanto: «La donna del lago» an der Scala (eine Koproduktion mit der Opéra National de Paris). Hervorragend besetzt mit dem tenore di grazia Juan Diego Flórez und der virtuosen Joyce DiDonato, die als schottische Nixe in der Titelrolle ihre Koloraturen perlen ließ wie kristallklares Highland-Wasser. Zugleich aber wirkte die...

Aussteiger und Einspringer

So hatte sich Met-Intendant Peter Gelb den Auftakt der neuen Spielzeit gewiss nicht vorgestellt: James Levine musste wegen seiner angeschlagenen Gesundheit sämtliche Dirigate für die nächsten Monate absagen. So avancierte der jüngst immer wieder für den populären Musik­chef eingesprungene Fabio Luisi zum Principal Conductor des Hauses. In dieser Eigenschaft...