«Regie geht bei den Sängern los»
Sie hat Mut. Fährt schon mal volles Risiko. Befragt jedes Stück radikal aufs Hier und Heute. In zwingenden, oft surrealen Bildern. Um sich und uns zu überraschen. Das ist Tatjana Gürbaca, der «Regisseurin des Jahres», immer wieder gelungen, seit sie im Jahr 2000 beim Grazer «Ring Award» reüssierte. In der vergangenen Saison mit einem schaurig-schönen, unter Sonnenblumen delirierenden «Macbeth» in Mainz, wo sie seit 2011 als Operndirektorin die Musiktheatersparte leitet. Oder mit einer beklemmenden «Rigoletto»-Tischgesellschaft in Zürich.
Vor allem aber mit ihrer herzblutrot und kaltweiß leuchtenden «Parsifal»-Deutung in Antwerpen, die das Bühnenweihfestspiel auf menschliches Maß zurückführt – es ist die «Aufführung des Jahres».
Frau Gürbaca, Musiktheater hat für Sie nur einen Sinn, wenn es sich radikal auf die Gegenwart bezieht. Was heißt das konkret?
Oper ist die komplexeste aller Künste. In ihr spielen so viele Ebenen zusammen wie in keiner anderen Kunstgattung. Musik, Text, Raum, Licht, Körper – Oper ist der maßlose Versuch, die unerschöpfliche, widersprüchliche, rätselhafte, wunderbare Vielfalt des Lebens spielerisch zu reflektieren. In vierhundert Jahren Operngeschichte haben ...
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Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Aufführung und Regie des Jahres, Seite 28
von Albrecht Thiemann
Jahrzehntelang hatte das Nationaltheater Mannheim ein klar umrissenes, man könnte auch sagen: ein eng umgrenztes, trotzdem weit ausstrahlendes Profil. Mannheim war die Stadt eines gediegen gepflegten Wagner-Kults. Weniger wegen szenischer Neuerungen als wegen der musikalischen Stabilität. Horst Stein, ab 1963 für sieben Jahre Musikchef, nannte Bayreuth gern den...
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John Allison
London
Opera, Sunday Telegraph
1. Stockhausens «Mittwoch aus Licht» in Birmingham
2. ...
30 Jahre hat Giacomo Meyerbeer um seine letzte Oper gerungen. Genau zur Halbzeit schrieb er seinem Librettisten Eugène Scribe ein fast völlig neues Stück vor. Da das Publikum aber schon Jahre auf die angekündigte «Afrikanerin» gewartet hatte, wagte man nicht zu gestehen, dass aus ihr inzwischen eine Inderin geworden war. Chemnitz hat die historisch-kritische...
