Quasi konzertant
Gut 25 Jahre lief die Vorgängerproduktion von Hans Neuenfels. So viel Zeit wird man Jan Bosses «Rigoletto» kaum zubilligen: Müde Buhs erntet der Berliner Opern-Debütant für eine Inszenierung, bei der der Zuschauerraum der Deutschen Oper auf der Bühne dupliziert wird. Man spiegelt Parkett und ersten Rang samt Holzverschalung. Binnen eines Jahres ist dies schon die zweite Inszenierung, in der das Haus auf sich selbst Bezug nimmt (ähnlich in Robert Carsens «Liebe zu den drei Orangen»). Das Problem ist: Im Fall Bosse ergibt sich dramaturgisch nichts daraus.
Das Auffälligste bleiben die Zuhälter-Kostüme von Kathrin Plath; eine unfreiwillige Reminiszenz an die Ära der Berliner Rotlicht-Legende Otto Schwanz. Und Rigoletto als Goldlametta-Häschen. Andrzej Dobber in der Titelrolle klingt inzwischen wie eine mildere Kopie des großen Tito Gobbi: ein echter, weich angerauter Verdi-Bariton, (dem in der dritten Vorstellung freilich beinahe die Stimme wegbricht). Die am Premierenabend für die erkrankte Lucy Crowe eingesprungene, von der Seite singende Olesya Golovneva entpuppt sich als vorzügliche, russische Gilda. Albert Pesendorfer ist ein abgründig schwarzer, volltönender Sparafucile. Alles ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Kai Luehrs-Kaiser
Eine Halle von der Größe zweier Fußballfelder. Meterhohe, düstere Eisenkolosse, die aus dem Boden ragen wie halb eingegrabene Monster. Riesige Räder, Kessel, Rohre. Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass in der Völklinger Hütte zuletzt der Stahl floss. Aber es riecht immer noch nach Maschinenöl, stickig, nach Rauch.
Das zwanzig Kilometer Luftlinie entfernte...
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Händel scheint seinen Fuß endgültig in der Türe der Opernhäuser zu haben. Nicht zuletzt, weil – wie ein kluger Kopf im Jahrbuch dieser Zeitschrift bereits vor zehn Jahren feststellte – sein Œuvre und die Barockoper überhaupt zum Musiktheater der Postmoderne geworden ist: ganz auf der Höhe der Zeit wegen der Gebrochenheit der Charaktere und einer Vermischung von...
