Kühles Schwärmen
Ambivalente Gefühlswelten der Liebe lotet die französische Sopranistin Sandrine Piau in ihrer neuesten Solo-CD aus, die sie unter dem Titel «Chimère» – (zu deutsch: Hirngespinst, hier vielleicht besser übersetzt mit: schillernde Täuschung) – veröffentlicht hat. Mit ihr beschließt sie ihr Triptychon von Kunstlied-Programmen, das sie – stets an der Seite von Susan Manoff am Klavier – 2007 mit «Évocation» begonnen und 2010 mit «Après un rêve» fortgesetzt hat. Als Sängerin bekannt wurde Piau vor allem mit Auftritten und Einspielungen im Barockrepertoire.
Dass sie eine genuine Liedinterpretin ist, stellt sie mit dieser reizvoll ausgewählten Folge deutscher, französischer und anglo-amerikanischer Lieder erneut unter Beweis. Unter den insgesamt 23 Stücken befinden sich auch zahlreiche Raritäten, so Carl Loewes Vertonung von Gretchens Szene «Ach neige, du Schmerzensreiche» aus Goethes «Faust» oder Lieder des Amerikaners Robert Baksa (*1938) und des auch als Dichter hervorgetretenen Engländers Ivor Gurney (1890-1937), deren Namen nie gehört zu haben keine Schande ist. Dabei handelt es sich gerade bei Gurneys neoklassizistisch strenger Vertonung von John Fletchers Ode an die Nacht «Sleep» ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: CD des Monats, Seite 25
von Uwe Schweikert
Massenets «Werther» hat am Zürcher Opernhaus ein freundliches Domizil; die Oper erscheint dort in regelmäßigen Abständen auf dem Spielplan. 1979 inszenierte Otto Schenk, Nello Santi dirigierte Premiere und Folgevorstellungen, in der Titelpartie gastierten José Carreras, Peter Dvorský, Neil Shicoff und Alfredo Kraus, als Charlotte alternierten Teresa Berganza und...
«I am the king», sagt der König. Und noch einmal. Und während er das sagt, lässt er vor dem gesamten Hofstaat schwungvoll seine Hosen auf die Knöchel gleiten – Staatsaffären zur Morgentoilette. Das Publikum kichert. Aber den melancholisch verweilenden Sekundreibungen ist anzuhören: Mit einem König, der sich seines Königseins derart nachdrücklich versichern muss,...
Der Schlussgag hätte besser nicht klappen können. Fröhlicher Applaus im erschreckend spärlich besuchten Theater Basel. Karl-Heinz Brandt, eben noch ein engagierter Auktionator, stolpert beim Schritt zurück, strauchelt und stürzt. In diesen Augenblicken passiert etwas Faszinierendes: Man kann spüren, wie das gewissermaßen kollektive «Hoppla» einer unschönen Angst...
