Kunst der einfachen Geste
Vornehm ausgedrückt, haben wir es mit lauter überreizten Figuren zu tun. Sie fuchteln in grellem Licht mit ihren Messern, das Blut spritzt munter, die Bühne gleicht einem Müllhaufen. Es wird gesexelt und proletet, gespuckt, gesoffen und deliriert. «Don Giovanni» aus der Sicht Calixto Bieitos. Wir wollen diese Zeilen lieber nicht damit füllen, wie der katalanische Regisseur Mozarts Oper zerlegt, zumal man über das Seelenleben des Titelhelden herzlich wenig erfährt.
Stattdessen sei daran erinnert, wie die bundesdeutschen Feuilletons diese Inszenierung nach ihrer Premiere in Hannover zerfleddert und hochgejubelt haben, wie ratlos die Köpfe geschüttelt und eifrig Bravi geschrieben wurden.
Bei der nun veröffentlichten DVD-Produktion handelt es sich um die Montage zweier Mitschnitte aus Barcelona. Zur Erinnerung: Bei Bieitos «Don Giovanni» handelte sich um eine internationale Koproduktion mit der English National Opera London (Premiere im Juni 2001), mit der Staatsoper Hannover und eben dem Gran Teatre del Liceu Barcelona.
Wer vor Bieitos Schreddermaschine, in der nacktes Fleisch, Folter, Mord, Vergewaltigung und sonstige Zutaten wild und gelegentlich auch in Kongruenz zur Musik ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seit Robert Wilson Wagners «Parsifal» 1991 in Hamburg in ein statisches, antipsychologisches Epos verwandelte, gelten Operninszenierungen des amerikanischen Bühnenkünstlers an etablierten europäischen Häusern als intelligente, nicht zuletzt optisch dankbare Alternative zu den psychologisierenden Deutungen des verbreiteten Regietheaters. Wilsons in blaues Licht...
Es hatte der ganz große Wurf sein sollen. «Brandauer inszeniert Brecht & Weill», tönte die PR-Maschine schon Monate, bevor das Ereignis im nach langem Leerstand wieder halbwegs bespielbar gemachten Berliner Admiralspalast, dem ehemaligen Metropol-Theater, dann endlich stieg. Ein Star-Mime («Never Say Never Again», «Mephisto») kümmert sich, pünktlich zum...
Wenn der ewig neugierige Nikolaus Harnoncourt und der ungewöhnlich rasch in die Spitze aufgestiegene Regisseur Claus Guth sich eines Werkes annehmen, darf man alles erwarten, nur keine Routineaufführung. Die Herausforderung wächst umso mehr, je repräsentativer der Ort der Präsentation ist, und welcher Ort wäre für Mozart angemessener als Salzburg mit seinen...
