Mit Vorglühzeit
Anfang März blickte nicht nur die Wagner-Gemeinde gespannt nach Paris. Günter Krämer heißt der wackre Held, der erstmals seit den sechziger Jahren Wagners Weltendrama an der Opéra in Szene setzen sollte. Wirklich überzeugend geriet der Auftakt zur Tetralogie nicht: Eine Herrengesellschaft in Brustpanzern erklomm da ein Stahlgerüst mit Germania-Schriftzug, Alberichs Nibelungen zerschnitten eine Goldkugel, allerlei Soldateska irrte herum. Krämer warf vor allem Fragen auf, die meisten blieben unbeantwortet.
Mit der Premiere der «Walküre» zeichnet sich indes ab, dass der Pariser «Ring» doch noch ein Wurf werden könnte.
Krämer verbindet mehrere Ebenen: Einerseits erzählt er eine heutige Geschichte um Macht- und Kontrollverlust, um Liebeslust und -entzug; andererseits schafft er eine mit Videoprojektionen aufgerüstete Märchenwelt. Die Winterstürme des verliebten Wälsungenpaares finden vor einem sehr realen Wonnemond in einem Wald voll blühender Apfelbäume statt. Die Kraft spendenden Früchte tauchen immer wieder auf, verweisen dezent aufs «Rheingold», wo sie als obligatorische Götterspeise dienten. Bei der Todesverkündigung mutiert der Hain zum Totenwald, bevölkert von spukhaften ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Marek Janowski ist nicht der Typ Dirigent, über den normalerweise Biografien geschrieben werden. Ein gründlicher Kapellmeister und gnadenloser Orchestererzieher ohne besonderes interpretatorisches Profil, so die lange vorherrschende Meinung über den 1939 Geborenen – und tatsächlich bezeichnet sich auch Janowski selbst als musikalischen Spätentwickler. Vor allem die...
Für jeden Versuch, Wagners «Ring» als realistisch-gesellschaftskritisches Musiktheater zu erzählen, ist der dritte Akte der «Walküre» die größte Hürde: Während sich die «Rheingold»-Personage problemlos auf moderne Hierarchiemuster übertragen lässt und selbst der Drache im «Siegfried» schon längst als Maschinenpopanz entlarvt worden ist, will sich für die...
Sie kamen von Nordosten, aus Jerusalem. Sie kamen zu Tausenden, bewehrt mit Schilden, Steinen, Waffen. Jeden, der die römischen Soldaten sah, die kurz zuvor, im Jahre 70, den Zweiten Tempel in der heiligen Stadt zerstört hatten, musste augenblicklich die Gewissheit ergreifen, dass sie den hoch aufragenden Masada-Felsen erobern wollten – um jeden Preis. Lange schon...
