Letzte Erfüllung?
Die Musik von Bach bis Richard Wagner und Richard Strauss ist Höhe- und Schlusspunkt göttlichen Menschentums, letzte Erfüllung und Enthüllung des Mythos.» Am 25. Februar 1944 wurde dieser erhaben gestimmte Satz zu Papier gebracht – freilich nicht von einem Parteigänger der Blut-und-Boden-Ideologie, der im Angesicht des drohenden Untergangs verzweifelt die Vormacht der deutschen Kultur beschwor. Einer der genannten Großmeister selbst, der 79-jährige Richard Strauss, hob sich in diesem Eintrag ins persönliche Schreibheft auf das Postament des Vollenders.
Was Bach durch Handwerk und Spiritualität, Wagner durch die mythologische Dimension eines «deutschen» Musiktheaters geschaffen hatten, war im Œuvre von Strauss – nach dessen bescheidener Selbsteinschätzung – zu höchster Entwicklung und abrundender Zusammenschau gelangt.
Man mag sich heute über diese Mischung aus Geltungsbedürfnis und Abschottung gegen alle Gegenwartstendenzen wundern. Das Opernpubli-kum teilt auch ein Jahrhundert nach der Uraufführung von «Elektra», «Der Rosenkavalier», «Ariadne auf Naxos» oder «Die Frau ohne Schatten» mehrheitlich das stolze Geschichtsbild des Komponisten. Der Blick auf drei Neuproduktionen in Hessen ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Michael Struck-Schloen
Bei Monteverdi tastet sich Orfeo mit singendem Sprechen ins Jenseits. Er beklagt den Tod seiner geliebten Euridice, gewinnt sie, verliert sie wieder und wird vom Sonnengott Apollo in den Himmel erhoben, wo er seine Angebetete künftig als Sternbild bewundern kann. Monteverdi beglaubigt den alten Mythos durch eine frische, authentische Kunstform – die Oper ist...
Sir Neville, Sie waren einer der wichtigsten Dirigenten der Sechziger- bis Achtzigerjahre – bis die Spezialisten der Alten Musik kamen und Ihnen das Repertoire entrissen. Haben Sie mit denen eine Rechnung offen?
Nein, ich war eher erfreut. Der Siegeszug der historischen Aufführungspraxis hatte zur Folge, dass wir uns fortbewegen konnten und nicht immer dasselbe...
Die elsässische Opéra national du Rhin bemüht sich regelmäßig um Ur- und Erstaufführungen – und eröffnete die neue Spielzeit mit Régis Campo (Jahrgang 1968) und seiner Novität «Quai ouest». Als Koproduzent ist das Staatstheater Nürnberg mit im Boot. Dort ist Campo in dieser Spielzeit auch composer in residence. Der Nürnberger GMD Marcus Bosch steuerte bei der...
